Unterwegs in die Krisengebiete der Welt: eine Liste an unverzichtbaren Dingen

Während hierzulande Frühlingskleidung für die langen Feiertagswochenenden eingepackt wird, hat die Fotografin Lynsey Addario eine ganz andere Packliste für ihre Reisen. Hier stellt sie vor, was für sie auf ihren Trips in die Krisengebiete dieser Welt unverzichtbar ist.

von Lynsey Addario

© Lynsey Addario

© Lynsey Addario

Es gibt ein Ritual, dass ich über die Jahre entwickelt habe, immer bevor ich auf eine Reise ging: Ein paar Tage bevor es losging, habe ich mir zu dem Ziel passende Kleidung rausgelegt. Die nächsten Tage habe ich dann immer damit verbracht, wieder auszusortieren, was ich eigentlich nicht brauchte. Ich hatte einen „Arbeitsschrank“ mit Jeans, Leinentuniken, Kopftüchern, Abajas, Reisehandtüchern, Schlaf-Inlets aus Seide, Schlafsäcken, Regenjacken und einer  Northface-Jacke. Eine Trekkinghose mit ausreichend Taschen, und dünne Thermo-Oberteile, die ich übereinander ziehen konnte, wenn ich mit einer militärischen Einheit unterwegs war. Meine Lieblings-Kaschmir-Kapuzenjacke von Banana Republic, ein Set Sportsachen und Laufschuhe, Wanderstiefel, Flip-Flops und ein oder zwei schöne Outfits mit einem Paar hohen Schuhen, weil ich – selbst in Kabul – auch mal abends in der Stadt unterwegs war und dort nicht so zerknittert aussehen wollte.

Ich hatte unterschiedliche Hijabs für verschiedene muslimische Länder: von Sudan, über Saudi-Arabien und dem Iran bis hin zu Afghanistan. Jedes Land hatte einen eigenen Stil und bedurfte eines immer anderen Grades von Sittsamkeit und es hat Jahre gedauert, bis ich endlich die jeweils angemessene Kleiderordnung durchschaut hatte.

Ich habe meine 90ml Reise-Behälter vorbereitet und mit Shampoo, Conditioner, Körperlotion, Duschgel, und Gesichtsseife befüllt. Habe Kochsalzlösung, Insektenspray, Zahncrème, Feuchttücher, Handdesinfektionsmittel und Antiobiotika eingepackt – und irgendwann als ich so um die 35 war, habe ich angefangen, auch noch teures Anti-Falten-Serum und allerlei Crèmes mitzunehmen.

Zur Versorgung hatte ich immer genug Instant-Kaffee von Starbucks dabei, um mindestens zwei Tassen Kaffee am Tag trinken zu können, inklusive einer Tüte voll mit Kaffeeweißer und einer Tüte mit Zucker (weil Kaffee die eine Sache war, ohne die ich nicht leben konnte). Außerdem hatte ich eine sehr große Auswahl an Energy-Riegeln mit, damit ich nicht wahnsinnig wurde, wenn ich mich tagelang von nichts anderem ernähren musste (meine Favoriten waren Pure Protein Vanilla, Think Thin Peanut Butter und Harvest- und Clif-Riegel zum Frühstück).

Wenn ich mich einer militärischen Einheit anschloss, kamen noch eine kugelsichere Weste, ein Helm, ein Schlafsack, warme Sachen oder weite Hosen und nie etwas in Tarnfarben dazu, da ich nicht Gefahr laufen wollte, mit einem Soldaten verwechselt zu werden.

Das meiste Gewicht in meinem Gepäck verursachten allerdings Kabel. Funktionierende Elektrizität war immer sehr fraglich, also hatte ich Kabel für alles mögliche dabei: einen Wechselrichter fürs Auto, um einen Laptop oder ein Handy über die Autobatterie laufen zu lassen, eine Satellitenschüssel um Bilder zu übertragen, ein Thuraya Satellitentelefon, eine Spule, um Wasser zu erhitzen, eine Mehrfachsteckdose, ein Extra-Handy für eine örtliche SIM-Karte, drei bis vier externe Festplatten um Fotos zu speichern und zu sichern, einen Laptop, ein zweites Ladegerät, falls eines kaputtgehen würde, eine Kopfleuchte, USB-Kabel, natürlich meine Fotokameras, Ersatzbatterien und genügen Flash-Speicherkarten, die mich mindestens ein paar Tage lang versorgen konnten.


Das Buch

978343020212Addarios Bilder zeigen der Welt ungesehene Szenen aus dem Irakkrieg, das Grauen in den niedergebrannten Dörfern in Darfur oder den Alltag der unerschütterlichen afghanischen Bevölkerung unter der Herrschaft der Taliban. Dafür riskiert sie immer wieder ihr Leben: Im afghanischen Korengal-Tal gerät sie in ein Feuergefecht, im libyschen Bürgerkrieg entführen Gaddafi-Anhänger die mutige Fotografin. Ihr Buch ist ein fesselnder Bericht entlang der Kriegsschauplätze des 21. Jahrhunderts.

Jeder Moment ist Ewigkeit ist am 12. Februar im Econ Verlag erschienen.

Weblinks
Jeder Moment ist Ewigkeit auf den Seiten der Ullstein Buchverlage
Lynsey Addario Photography auf Facebook
Lynsey Addario bei Twitter

 

 

Lynsey Addario

Lynsey Addario

Lynsey Addario, geboren 1973, ist eine US-amerikanische Fotojournalistin, deren Arbeit regelmäßig in der New York Times, im National Geographic und im Time Magazine erscheint. Sie berichtete über Konflikte in Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia, Darfur und Kongo und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihre Reportagen, darunter den Pulitzer Preis für internationale Berichterstattung.

Foto: © Kursat Bayhan

Print Friendly, PDF & Email