Im Zeichen des Bären

Gerade ist die diesjährige Berlinale zu Ende gegangen. Unsere Lizenzkollegin Agnieszka Golosch war wie jedes Jahr dort unterwegs. Sie erzählt von ihrer Faszination für den Film und von ihrer Arbeit, bei der im besten Fall aus Buchstoffen Filme werden, die uns dann zur nächsten Berlinale ins Kino locken. 

Von Agnieszka Golosch

Titelbild

Können Sie sich noch an Ihr erstes Kinoerlebnis erinnern? Meines war ein einschneidendes Erlebnis. Ich war sechs Jahre alt, meine große Schwester nahm mich damals mit in das Kaskade-Kino in der Kasseler Innenstadt. Dort sahen wir uns „E.T. – Der Außerirdische“ an. Nach dem Film habe ich den Rest des Tages geweint. Die Geschichte ging mir wahnsinnig nah. Heute weiß ich: Ich bin ein Film-Aficionado, ein Liebhaber des Filmtheaters.

Ich habe sehr bald aufgehört, meine Kinobesuche zu zählen, und doch ist jeder ein Erlebnis.

Ähnlich wie mir geht es Millionen von Menschen, und einmal im Jahr, immer im Februar, sieht man diese Menschen in Berlin durch die Straßen laufen, von Kino zu Kino hetzen, Autogramme und Fotos von Filmstars erhaschen – it’s Berlinale time!

Die Berlinale hat sich neben den Filmfestspielen in Cannes und den Filmfestspielen in Toronto und Venedig zu einem der wichtigsten Festivals für Filmschaffende entwickelt. Hier geht nicht nur der Zuschauer ins Kino, um einen südkoreanischen Dokumentarfilm zu sehen, der es danach vermutlich in kein deutsches Kino mehr schaffen wird. Hier sitzt nicht nur der kanadische Filmproduzent mit dem deutschen Filmverleiher im Marriott Hotel und verhandelt die nächste internationale Film-Produktion. Hier treffen auch Buchmenschen wie ich auf Filmschaffende, mit dem Ziel, dass aus einer einzigartigen Buchvorlage ein einzigartiger Film wird.

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Ich habe das große Glück, dass mein Job mir erlaubt, mit Menschen zu arbeiten, die Geschichten auf die Leinwand bringen. Drehbuchautoren, Filmproduzenten, Regisseure. Diese Leute treffe ich während der Berlinale auf Empfängen oder zu persönlichen Gesprächen. Ich stelle ihnen unsere zu verfilmenden Buchvorlagen vor, und in der Vergangenheit ist es uns schon mehrmals geglückt, dass aus einem Buch ein Film wurde.

Neben der erfolgreichen Kino-Verfilmung von „Maria, ihm schmeckt`s nicht“ von Jan Weiler im Jahre 2009 hat es im Jahre 2012 ein Buch aus den 60er Jahren in die Panorama-Sektion der Berlinale geschafft: „Die Wand“ nach einem Roman von Marlen Haushofer wurde erfolgreich von Julian Pölsler verfilmt, Martina Gedeck spielt darin die Hauptrolle.

2006 initiierte die Berlinale in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse auf dem Co-Production Market im Abgeordnetenhaus Berlin die Veranstaltung „Books at Berlinale“, die seitdem jedes Jahr stattfindet. Hier wurden in diesem Jahr 12 Bücher vor einem Publikum von Filmschaffenden vorgestellt in der Hoffnung, dass Produzenten und Buchstoffe zusammenfinden.

Damit ich weiß, mit wem ich auf den diversen Empfängen der Filmproduktionsfirmen über welche Buchvorlagen und Filmstoffe sprechen soll, ist es auch wichtig, selbst Filme zu sehen und zu wissen, welche Produktionsfirma mit welchen Stoffen arbeitet. In diesem Jahr habe ich mich darauf konzentriert, einige Filme zu sehen, die für die LOLA, den Deutschen Filmpreis, nominiert sind. Darunter auch eine Buchverfilmung: „Gleissendes Glück“, wieder mit Martina Gedeck in einer der Hauptrollen.

Die Berlinale hat es in den letzten Jahren geschafft, immer mehr Hollywood-Flair nach Berlin zu bringen. In diesem Jahr liefen Stars wie Richard Gere, Stellan Skarsgård, Catherine Deneuve, Sienna Miller oder Robert Pattinson über den roten Teppich des Berlinale Palastes am Potsdamer Platz. Den einen oder anderen von ihnen sah man dann später am Abend auf einem der Empfänge inklusive Geleitschutz zur Privatlimousine huschen …

Meinen vor Jahren privat aufgestellten Rekord, während einer Berlinale 40 Filme zu sehen, werde ich wohl nicht mehr brechen. Aber mit etwas Glück und dem richtigen Timing wird es die Verfilmung eines Ullstein-Buches 2018 auf die Berlinale schaffen. Gerade jetzt, Ende Februar, fällt dafür die erste Klappe in Eisenhüttenstadt. Und sollte alles so klappen, wie wir es uns wünschen, sitze ich nächstes Jahr während der Berlinale im Kino und sehe mir die Uraufführung dieser Ullstein-Buchverfilmung an. Darauf freue ich mich schon jetzt.

 


→ mehr über die Autorin


Golosch2Agnieszka Golosch
hat Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Bayreuth und Bochum studiert. Die passionierte Kinogängerin arbeitet seit über zehn Jahren bei den Ullstein Buchverlagen und ist dort als Rights Manager unter anderem für den Verkauf von Verfilmungsrechten zuständig.

Foto: Privat

 

Diese Verfilmungen von Ullstein-Büchern kommen im Frühjahr 2017 ins Kino

„Lion“ von Saroo Brierley

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Durch einen dramatischen Zufall wird der fünfjährige Saroo von seiner Familie getrennt und landet am anderen Ende Indiens auf den Straßen von Kalkutta. Wochenlang schlägt sich der kleine Junge alleine durch, bis ihn ein Waisenhaus aufnimmt und zu Adoptiveltern nach Australien schickt. Fünfundzwanzig Jahre später macht sich Saroo mit Hilfe von Google Earth auf die Suche nach seiner leiblichen Familie. Das Unglaubliche passiert: Er findet ein Dorf, das dem Bild in seiner Erinnerung entspricht – und macht sich auf den Weg …

Filmstart: 23. Februar 2017 

 

„Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ von William Paul Young

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Vor Jahren ist Mackenzies jüngste Tochter verschwunden. Ihre letzte Spur fand man in einer Schutzhütte im Wald – nicht weit vom Campingort der Familie. Vier Jahre später, mitten in seiner tiefsten Trauer, erhält Mackenzie eine rätselhafte Einladung in diese Hütte. Ihr Absender ist Gott. Trotz seiner Zweifel lässt sich Mackenzie auf diese Einladung ein. Eine Reise ins Ungewisse beginnt. Was er dort vorfindet, verändert Mackenzies Welt für immer.

Filmstart: 6. April 2017

 

 

 

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