„Viele Menschen assoziieren die Feiertage mit klaustrophobischen Erfahrungen.“

In „Sieben Tage wir“ erzählt Francesca Hornak die Geschichte einer Familie, die ihr gemeinsames Weihnachten in Quarantäne verbringen muss. Im Interview erzählt die britische Autorin uns, was passiert, wenn Familienmitglieder anstatt von Geschenken Geheimnisse auspacken. Ob es bei ihr selbst an Heiligabend wohl auch so dramatisch zugeht?

Weihnachten Francesca Hornak

Liebe Francesca, worum geht es in deinem Roman „Sieben Tage Wir“?

Es geht um eine dysfunktionale Familie, die Weihnachten in Quarantäne verbringen muss, weil eine der beiden erwachsenen Töchter an der Bekämpfung einer ebolaähnlichen Epidemie in Afrika beteiligt gewesen ist. Während dieser Quarantänewoche treten viele Geheimnisse zu Tage und die Stimmung spitzt sich zu.

Du erzählst nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch eine Weihnachtsgeschichte. Für viele Menschen (mich eingeschlossen) klingen Familie und Weihnachten nach Zuhause, aber auch nach Stress und Drama. Was hat Dich dazu inspiriert, diese Geschichte zu erzählen? Verbringst Du Weihnachten jedes Jahr mit Deiner Familie?

Ich persönlich verbinde Weihnachten oder Familie überhaupt nicht mit Stress! Aber harmonische Familien ergeben keine besonders interessante Lektüre. Als ich mich also entschied, über eine Familie in Quarantäne zu schreiben, war mir klar, dass es Konfliktstoff brauchte. Ich habe die Handlung in die Weihnachtszeit gelegt, weil so viele Menschen die Feiertage mit klaustrophobischen Erfahrungen assoziieren, und mir gefiel die Idee einer echten Quarantäne, die dieses Druckkesselgefühl zusätzlich verstärkt. Ich verbringe jedes Weihnachten mit meiner Familie, aber ich begegne meinen Eltern und meinem Bruder auch sonst die ganze Zeit, da wir alle in der Nähe leben. Weihnachten ist für uns insofern anders, weil wir viele entferntere Familienmitglieder sehen, aber bei meiner fiktiven Familie habe ich mich auf den Kern beschränkt, um die Dynamik intensiver zu gestalten.

Gibt es in Deiner Familie eine besondere (britische) Familientradition?

Mein Vater Angelo ist in unserer Familie für das Kochen zuständig und er mag den traditionellen britischen Plumpudding nicht, also bereitet er stattdessen eine Eisbombe zu. Die äußere Schicht enthält Rum und Rosinen, weshalb das Ganze wie ein umgekrempelter Christmas Pudding aussieht, und wir flambieren die Eisbombe auch mit Brandy und legen einen Stechpalmenzweig darauf, wie man es traditionell mit einem britischen Christmas Pudding macht.

Die Figuren in Deiner Geschichte haben viele Geheimnisse voreinander, die schließlich enthüllt werden, als sie über Weihnachten daheim und ziemlich zusammengepfercht sind. Glaubst Du, dass die (physische) Nähe eine Rolle spielt, wenn es um private Verbundenheit und Aufrichtigkeit zwischen Familienmitgliedern geht?

Ich glaube, dass physische Nähe auf Geschwister diese verbindende Wirkung haben kann, da sie eine Rückkehr zu der Zeit bedeutet, als man im selben Haus lebte, obwohl es wahrscheinlich davon abhängt, ob man sich als Kind nahestand oder nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich die Aufrichtigkeit zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern befördert, es sei denn, es offenbart sich im Laufe der gemeinsam verbrachten Zeit – sei es absichtlich oder unabsichtlich! – ein großes Geheimnis.

Du arbeitest als Journalistin für Zeitungen und Magazine wie The Sunday Times,The Guardianund Grazia – „Sieben Tage Wir“ ist Dein literarisches Debüt. War es schon immer Dein Traum, eines Tages ein Buch zu schreiben?

Als Kind wollte ich zwar Schriftstellerin werden, aber mit ungefähr zwölf fand ich Magazine dann schon verlockender.Als ich mit der Arbeit als Journalistin anfing, war das also die Erfüllung meines Traums. Der Wunsch, einen Roman zu schreiben, kam erst vor kurzer Zeit zurück.

Wie stark unterscheidet sich das literarische Schreiben von Deiner journalistischen Arbeit?

Die Lebens- und Arbeitsweise ist eine andere im Vergleich zum Job bei einer Zeitschrift. Du hast viel mehr Freiheiten, musst aber mehr Selbstdisziplin aufbringen – besonders in der Phase des ersten Entwurfs zu einem Roman. Der Hauptunterschied beim Schreiben von Literatur besteht (für mich) darin, dass man nicht einen ganzen Roman im Kopf behalten kann, wie es Wort für Wort bei einem kurzen Artikel der Fall ist. Ich finde das ziemlich frustrierend.

Gibt es etwas, das du deinen deutschen Leserinnen und Lesern gerne mit auf den Weg geben willst?

Das ist jetzt nicht einfach so dahingesagt: Niemand beherrscht Weihnachten so gut wie die Deutschen! Eine gute Freundin meiner Eltern ist Bayerin und ihr Weihnachtsbaum flößte mir als Kind große Ehrfurcht ein. Ihre Kipferl sind bis heute ein wichtiger Bestandteil unseres Weihnachtsfests.

Vielen Dank für das schöne Gespräch.

 

Das Interview führte Marie Krutmann


Das Buch 

Sieben Tage Wir Francesca Hornak Es ist Weihnachten und die Familie Birch trifft sich zum ersten Mal seit Jahren wieder vollzählig in Norfolk. Die älteste Tochter Olivia ist Ärztin und es besteht der Verdacht auf eine ansteckende Krankheit, sodass sie gerade jetzt für eine Woche in Quarantäne muss. Dem Rest der Familie bleibt nichts anderes übrig, als die nächsten sieben Tage mit ihr im Haus zu verbringen. Aber eine Woche mit den Liebsten kann sich wie eine Ewigkeit anfühlen, vor allem wenn alle versuchen, ihre Geheimnisse voreinander zu verstecken. Doch das letzte rätselhafte Adventstürchen öffnet sich ganz von selbst und ein unerwarteter Gast taucht auf, der vielleicht alle Fäden zusammenführen kann.

 

„Sieben Tage Wir” auf den Seiten der Ullstein Buchverlage

Francesca Hornak

Francesca Hornak

Francesca Hornak ist Journalistin und schreibt für »The Sunday Times«, »The Guardian«, »Grazia« und »Stylist«. »Familie ohne Ende« ist ihr Debütroman und war in Großbritannien ein riesiger Publikumserfolg.

Foto: © Billie Scheepers

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