Corina Bomann: „Es war ein langer Weg, gespickt mit Absagen und Niederlagen.“

Corina Bomann gehört heute zu den großen deutschen Unterhaltungsautorinnen. Aber auch für sie stand vor ihrem Erfolg ein langer Weg mit vielen Niederlagen. Im Interview erzählt sie, wie es ihr gelang, nie den Mut zu verlieren, welche Kraft sie aus dem Austausch mit ihren LeserInnen zieht und warum Veranstaltungen so wichtig für LeserInnen und AutorInnen sind – im wirklichen Leben, aber auch online.

Frau Bomann, Sie gelten als ausgesprochene Vielschreiberin – woher kommen all die Ideen?

Ideen warten überall auf mich: Bei einem Spaziergang, einer Reise, unter der Dusche, meist auch dann, wenn ich viel Ruhe um mich habe. Sie formen sich in meinem Kopf und sprudeln dann heraus. Oder sie springen mich an. Sie sind einfach da und ich kann nicht umhin, sie aufzuschreiben.

Wie arbeiten Sie? Braucht es bestimmte Rituale? Sind Sie eher die kalkulierende Planerin oder die eruptive Kreative?

Mein Arbeitstag beginnt eigentlich ganz normal. Mit Dusche, Frühstück und  Jazzmusik aus dem Radio. Das Schreiben ist für mich dann ein hermetischer Prozess, bei dem ich mich in meinem Büro einschließe und dann loslege. Ich schreibe immer mit einem bestimmten Tagesziel. Das verleiht meiner Arbeit Struktur. Frei aus dem Bauch heraus oder einfach auf dem Sofa kann ich nicht, ich brauche meinen Tisch, meinen Stuhl, meinen Computer und Musik auf die Ohren. Je nach Tagesform schreibe ich bis abends durch oder kröne meinen Arbeitstag mit einem Spaziergang.

Können Sie uns etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang erzählen? Sie gelten als eine der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen – wie haben Sie das gemacht, was ist Ihr Geheimnis?

Mein Wunsch, Bücher zu schreiben, erwachte schon sehr früh. Ich habe als Kind gerne Märchen gelesen und begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben. Die Ideen in meinem Kopf sind mit mir gewachsen und größer geworden. Irgendwann habe ich dann begonnen, eine davon aufzuschreiben. Wer glaubt, dass damit aber gleich der Erfolg gekommen ist, irrt. Es war ein langer Weg, gespickt mit Absagen und Niederlagen. Irgendwann, als ich schon nicht mehr daran glaubte, kam der Anruf: Ich hatte eine Kurzgeschichte verkauft. Aus dieser Kurzgeschichte wurde das Angebot, Romanhefte zu schreiben. Ca. 400 verfasste ich, bis in mir die alte Lust, Bücher zu schreiben wieder erwachte. Nun war ich bereit. Mit meinem Roman „Die Spionin“ gewann ich das Herz einer Agentin und dann eines Verlages. Diesem Buch folgten dann viele weitere.

Mein Geheimnis? Ich habe geschrieben und geschrieben. Ich war demütig und habe auf den Rat der LektorInnen gehört. Ich habe meine Agentur, die mir zur Seite steht und ein starker Ratgeber in allen Lagen ist. Ich glaube, wenn man nicht lockerlässt und immer weiter an sich arbeitet, um besser zu werden, kommt der Erfolg irgendwann von allein.

Ihre Bücher werden von einer großen Community geschätzt. Wie wichtig ist Ihnen Ihre Fan-Base und der Austausch mit ihr?

Ich liebe den Austausch mit meinen LeserInnen! So erfahre ich, wie meine Ideen bei ihnen ankommen und wie sie meine Geschichten empfinden und erleben. Erst vor Kurzem wurde ich gefragt, wie das Leben der ProtagonistInnen im „Winterengel“ weitergegangen ist. Das berührt mich immer sehr. Die LeserInnen begeben sich in die Geschichte, leiden mit, freuen sich mit den Helden und wollen mehr über sie wissen, als wären es Familienmitglieder oder verehrte Stars. Das finde ich wunderschön. Und sogar kritischen Stimmen gewinne ich etwas ab. Sofern sie konstruktiv vorgetragen werden, ziehe ich daraus Erfahrungen, die meinen folgenden Büchern nutzen.

Sie nehmen regelmäßig an Veranstaltungen wie der Love-Letter-Convention in Berlin teil – was reizt Sie daran? Wie schätzen Sie diese relativ neuen Formen von Öffentlichkeit ein?

Die Loveletter-Covention ist vor allem ein Treffpunkt von Liebesromanfans und – autorInnen aus Deutschland und der Welt. Ich finde es schön, auf diese Weise meine Fans und andere LeserInnen kennenzulernen und herauszufinden, welche Themen ihnen am Herzen liegen. Viele von ihnen kennt man online, von Facebook und Instagram, aber es ist schön, ihnen mal live zu begegnen.

Online-Communities dienen vielen LeserInnen als Informationsmedien zu Büchern. Bei der Flut an Neuerscheinungen verliert man hin und wieder den Überblick, also suchen sich die LeserInnen einen Anker. Als solcher können gute Gemeinschaften dienen. Auch sind sie für den Austausch mit den Autoren sehr wertvoll. Echte Leseclubs sind in diesen Tagen selten geworden, auch weil die Menschen sehr in Arbeit und Privatleben verhaftet sind und nicht immer die Zeit haben, sich zusammenzusetzen, um über Bücher zu sprechen. Da hilft ihnen dann das Internet sehr. Alles, was das Buch ins Bewusstsein bringt, ist wertvoll, besonders in einem konkurrierendem Medium wie dem Internet.

Was hat Sie zur Löwenhof-Saga inspiriert? Haben Sie eine besondere Verbindung zu Schweden?

Ich finde, dass Schweden einfach ein faszinierendes Land ist. In meiner mecklenburgischen Heimat bin ich oft auf Spuren schwedischer Vergangenheit gestoßen. Mecklenburg war nach dem Dreißigjährigen Krieg teilweise unter schwedischer Herrschaft. Das hat mich dazu gebracht, mehr darüber wissen zu wollen. Dabei erfuhr ich von dem starken Wandel, den das Land durchgemacht hat – von der Kriegernation bis zu einem Land, das kriegerischen Auseinandersetzungen vollständig abgeschworen und sich zu einem Wohlfahrtsstaat entwickelt hat. Das hat mich ungemein fasziniert. Und auch das schwedische Verständnis von Freundlichkeit, Leben und Gemütlichkeit gefällt mir sehr. Wahrscheinlich hat auch das dazu beigetragen, dass ich den Löwenhof ins Leben rief.

Agneta ist eine sehr selbstbewusste, moderne Frau – wie wichtig war Ihnen dieser Aspekt bei der Anlage der Figur?

Ich mag meine Heldinnen alle selbstbewusst, besonders, wenn sie vor so großen Aufgaben stehen wie Agneta. Nach dem ihr Vater bei einem Brand ums Leben kommt, soll Agneta den Gutshof übernehmen und dafür ihr freies, selbstbestimmtes Leben aufgeben. Als alleinstehende, unverheiratete Frau hat sie im Kampf um das Gut und auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück einige Hindernisse zu überwinden. Sie braucht Stärke und Selbstbewusstsein, um bei dem, was ihr widerfährt, nicht zu zerbrechen. Ich möchte den LeserInnen, die selbst in Krisensituationen immer ein Vorbild bieten und ich denke, dem wird Agneta gerecht.

Was möchten Sie Ihren LeserInnen mitgeben?

Bleibt den Büchern treu und haltet in eurem Verstand und eurem Herzen immer Platz frei für Geschichten. In den heutigen Zeiten gibt es viele Medien und alles verändert sich sehr schnell. Doch nichts ist so innig, entspannend und intim wie die Lektüre eines guten Romans. Das dürft ihr niemals zugunsten von Facebook & Co. aufgeben.

Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview führte Meike Blatnik. 


Das Buch 

Agneta kämpft mit den Tränen. Ein Telegramm ruft sie nach Hause, ihr Vater ist bei einem Brand ums Leben gekommen. Dabei hatte sie sich schweren Herzens von ihrer mächtigen Familie losgesagt und in Stockholm ein freies Leben als Malerin geführt. Jetzt werden ihr Titel, Glanz und Vermögen zu Füßen gelegt, sie soll das Erbe ihres Vaters antreten als Gutsherrin vom Löwenhof. Ihre Wünsche und Träume sind andere, sie sehnt sich nach einem Leben an der Seite von Michael, einem aufstrebenden Anwalt. Selbstlos stellt Agneta sich der Pflicht und Familientradition. Ihr Herz will jedoch etwas anderes, es kann nicht vergessen und sehnt sich nach Liebe …

 

„Die Frauen vom Löwenhof“ auf den Seiten der Ullstein Buchverlage.

 

Corina Bomann

Corina Bomann

Corina Bomann ist in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und lebt mittlerweile in Potsdam. Sie hat bereits erfolgreich Jugendbücher und historische Romane geschrieben, bevor ihr mit Die Schmetterlingsinsel der absolute Durchbruch gelang. Seither gehört sie zur ersten Garde der deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen.

Foto: © Hans Scherhaufer

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