Rettet das Bargeld!

Mit erschreckender Geschwindigkeit werden Banknoten und Geldmünzen aus dem Verkehr gedrängt. Ineffizient und teuer sei das Bargeld, lautet das Argument. Dennoch muss es als Zahlungsmittel erhalten bleiben, meint der Wirtschaftsexperte Max Otte, denn es ist wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie.

von Max Otte

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Der neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, machte beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2016 einen massiven Vorstoß zur Bargeldabschaffung: Cash sei fürchterlich teuer und ineffizient. Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern. Deswegen werde es in den nächsten zehn Jahren wohl verschwinden.
„War on Cash” – „Krieg gegen das Bargeld” – das klingt ähnlich wie „Krieg gegen den Terrorismus”. Das ist kein Zufall. Bargeld soll in die Nähe von Terrorismus und Kriminalität gerückt werden. Manchmal wird auch argumentiert, Bargeld sei unhygienisch oder ineffizient. In der schönen neuen Welt ohne Bargeld soll es uns allen viel besser gehen.

Dabei würde sich der Traum einer schönen neuen Welt ohne Bargeld sehr schnell als Alptraum entpuppen, genau wie in dem gleichnamigen Zukunftsroman von Aldous Huxley. Am 24. Februar 2016 lief ein von Claus Kleber moderierter Beitrag im heute journal, der in locker-flockig neutralem Ton beschrieb, dass in Schweden mittlerweile Versuchspersonen ein kleiner Bezahlchip unter die Haut eingepflanzt wurde. Eine bargeldlose Welt würde uns unserer Freiheit berauben und uns zu schutzlosen Subjekten eines allmächtigen Systems machen. Eine Staats- und Konzernwirtschaft, in der wir dem System restlos ausgeliefert sind: In einer bargeldlosen Wirtschaft würden wir zwangsläufig zu „Geiseln der Banken” gemacht, so Handelsblatt-Journalist Norbert Häring, Deutschlands wohl bestinformierter und hartnäckigster Gegner der Bargeldabschaffer.
Wenn die (weitgehend) bargeldlose Wirtschaft umgesetzt ist, können die bankrotten westliche Industrienationen daran gehen, einen „Neustart” unseres Währungssystems inklusive weitreichender Enteignungen durchzuführen.

Bargeld ist unverzichtbar für eine funktionierende Demokratie

Was noch 2010 undenkbar war, ist heute bedrohlich nahe gerückt. Von der Idee einiger Ökonomen, die in Deutschland Kenneth Rogoff 2014 zum ersten Mal bei einem Vortrag im Münchner ifo-Institut vertrat, bis zu einem Vorschlag Wolfgang Schäubles, bargeldlose Zahlungen auf maximal 5000 Euro zu begrenzen, dauerte es nur wenig mehr als ein Jahr. Die Europäische Zentralbank (EZB) unter Ex-Goldman-Sachs-Manager Mario Draghi hat sich dafür ausgesprochen, 500-Euro-Noten abzuschaffen. Und in der EU werden einheitliche Obergrenzen für Bargeldzahlungen diskutiert – angeblich, weil man den Terrorismus bekämpfen will.

Schon wenn Bargeld in die Randbereiche des Zahlungsverkehrs abgedrängt wird (was weniger auffällt), lässt sich ein Kontrollstaat mit verfeinerten Methoden einführen. Ein solcher Komplex aus Staaten und Großkonzernen wäre dann keine „DDR light”, wie der Fondsmanager Felix Zulauf formulierte, sondern eine „DDR 2.0 optimiert”. Unmerklich eingeführt. Und dafür wesentlich effektiver.

Bargeld ist unverzichtbar für eine funktionierende Demokratie. Lassen wir es nicht dazu kommen, dass es abgeschafft wird! Noch ist es nicht zu spät. Gegen die Bargeldabschaffung können Sie effektiver zivilen Widerstand leisten als gegen viele andere Eingriffe des Staats, denn Geld ist ein Rechtsgut. Mit dem Angriff gegen das Bargeld greifen wir auch den Rechtsstaat an. Nutzen Sie Ihren Spielraum!

 

Dieser Text ist ein Auszug aus Max Ottes aktueller Streitschrift „Rettet unser Bargeld!“, die am 20. April bei Ullstein erscheint.


 

Links
Rettet unser Bargeld! auf den Seiten der UIlstein Buchverlage
Die offizielle Website von Max Otte

Max Otte

Max Otte

Max Otte ist Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und Leiter des von ihm gegründeten Finanzanalyseinstituts IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH in Köln. Seit Frühjahr 2011 lehrt er zusätzlich an der Karl-Franzens-Universität Graz. Sein Buch Der Crash kommt, in dem er die Finanzkrise 2008 vorhersagte, wurde zu einem Bestseller. Seine aktuelle Streitschrift Rettet unser Bargeld! erscheint am 20. April 2016 bei Ullstein.

Foto: © privat

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