„Die Geschichte musste unbedingt ihre sein“

Guinevere Glasfurd stellt in ihrem neuen Roman eine wahre Geschichte in den Mittelpunkt: die Beziehung zwischen der Magd Helena Jans und dem aufstrebenden Philosophen René Descartes. Im Interview verrät sie uns, wie sie das Thema entdeckte, und spricht über ihre Faszination für die Heldin.

Dies ist Ihr erster Roman. Wann haben Sie gewusst, dass Sie ein Buch schreiben müssen? Und wie sind Sie auf Descartes und Helena gekommen?

Ich gehöre nicht zu den Autorinnen, die schon in jungen Jahren wussten, dass sie Schriftstellerin werden. Vor zehn Jahren habe ich einen Blog angefangen und sehr kurze erzählerische Passagen eingetragen – eigentlich nur Fragmente. So fing es an, hätte aber ebenso gut ins Leere laufen können. Ich dachte immer, Schreiben sei etwas für andere, und ein Roman, einen Roman zu schreiben, eine gigantische Aufgabe. Dann stellte ich fest, dass aus den Fragmenten längere Stücke wurden, bis hin zu Kurzgeschichten. Die erste Erzählung, die ich abschickte, wurde von Mslexia veröffentlicht, einer literarischen Zeitschrift, die vierteljährlich erscheint und Frauenliteratur in Großbritannien unterstützt und fördert. Eine andere Erzählung wurde preisgekrönt, und auch die wurde veröffentlicht. Das gab mir den Glauben an mich selbst und vermutlich den Antrieb, einen Roman zu schreiben. Ich hatte das Glück, im Anfangsstadium von zwei sehr erfahrenen Schriftstellerinnen ausgezeichnet beraten zu werden – Katharine MacMohan und Louise Doughty -, und vom Writer’s Centre Norwich Unterstützung zu erhalten, einem nationalen Zentrum für Autoren und Autorinnen.

Auf meinem Schreibtisch steht eine Postkarte, ein Zitat von Vincent van Gogh. Es lautet: „Das Große kommt nicht allein durch Impuls zustande, sondern ist eine Aneinanderkettung kleiner Dinge, die zu einem Ganzen vereint worden sind“. Ich weiß, damit wird festgestellt, was auf der Hand liegt, aber es hat mir enorm geholfen – statt mich vom großen Ganzen überwältigen zu lassen, fing ich damit an, den Roman in Kapiteln und Szenen innerhalb der Kapitel zu betrachten. Ich las sehr viel. Unter anderem im Online-Archiv der Paris Review, in der eine Menge Interviews mit Autoren zu finden sind. Als ich diese Interviews las, lernte ich noch etwas sehr Wertvolles: Jedes Buch wirft eigene Schwierigkeiten auf, mit denen sich jeder Schriftsteller auseinanderzusetzen hat. Das Buch schreibt sich nicht von selbst; es braucht einen Autor, der bereit ist, Tag für Tag da zu sitzen und daran zu schreiben.

Okay, dachte ich, dann probiere ich es.

Ich hatte das Gerüst (zumindest glaubte ich es), bevor ich die Geschichte hatte, wobei mir klar ist, dass das eher ungewöhnlich ist. Ich wollte einen Roman in drei Teilen schreiben, drei vollständig getrennte Geschichten, die erst am Ende als Ganzes begriffen wurden, ungefähr wie die Gleichung x+y=z. Das war wirklich verrückt: nur der Aufbau und keine Geschichte! Schlimmer noch, ich bin eine miserable Rechnerin. Mir fiel ein, wie ich in der Schule Koordinaten gezeichnet habe – bekannt als kartesische Koordinaten. Das war meine erste Ahnung, dass Descartes in der Geschichte vielleicht eine Rolle spielen könnte. Ich setzte meine Recherchen zu Descartes fort, wobei ich keine bestimmte Richtung einschlug, und fand zufällig einen Hinweis darauf, dass er eine Tochter hatte, Francine, mit einer holländischen Magd, Helena Jans. Das fand ich interessant. Als ich dann mehr darüber las, fragte ich mich, warum anscheinend nur wenige Historiker sich für die Auswirkungen dieser Beziehung auf Descartes und seine Arbeit interessiert hatten. In einigen wissenschaftlichen Abhandlungen, die ich las, war Helena nichts weiter als eine Fußnote und wurde rasch übergangen, um zum eigentlichen Thema, dem wichtigen Stoff der Geschichte zurückzukehren: seinem Werk.

Dann stieß ich auf den Hinweis, dass Helena und Descartes sich geschrieben hatten, obwohl diese Briefe nicht erhalten geblieben sind. Diese schlichte Tatsache wies auf eine viel größere Geschichte hin. Und das war es – das war der Aufhänger. Und sobald ich den hatte, setzte ich mich daran, und das Schreiben war schließlich doch nicht so unmöglich.

Der fertige Roman hat nicht den dreiteiligen Aufbau, den ich mir anfangs vorstellte, aber auf verschlungenen Wegen schloss sich der Kreis um Descartes und Helena.

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Warum Descartes? Warum haben Sie diesen Philosophen für Ihren Roman gewählt? Was hat Sie mehr gereizt: die persönliche Geschichte, die Sie erzählen, oder seine wirklich herausragenden Leistungen für die europäische Geistesgeschichte? Sind seine Ideen noch immer anregend, zum Beispiel für Sie als Schriftstellerin?

Den meisten Menschen, auch wenn sie der Meinung sind, nichts über Descartes zu wissen, ist sein berühmter Ausspruch bekannt: Cogito ergo sum (ich denke, also bin ich). Ich habe Descartes’ Philosophie im Grundstudium für Geschichte durchgenommen. Seine Arbeit erschien mir irgendwie kalt, distanziert, mechanisch, oder vielleicht wurden wir auch dazu angehalten, so darüber und über ihn zu denken. Als ich jedoch seine Correspondence las, Briefe, die er sein Leben lang an seine Unterstützer und Kritiker geschrieben hat, tauchte ein vollkommen anderer Mann auf als der, den ich zu kennen glaubte: witzig, verletzend, großartig – ein Universalgelehrter, den die Welt um sich herum so faszinierte, dass er begierig war, sie zu begreifen. Außerdem war er offensichtlich ehrgeizig; obwohl er sich versteckte, war er auf der Suche nach einem Publikum.

Ich wollte keinen Roman schreiben, der sich mit Descartes als dem „großen Mann der Geschichte“ beschäftigte.

Das interessierte mich überhaupt nicht. Da ich den Roman aus Helenas Sicht schrieb, war ich in der Lage, mich Descartes aus einer anderen Richtung anzunähern. Heute gilt Descartes als Vater der modernen Philosophie, was er damals bestimmt nicht war, denn er hatte sogar große Mühe, überhaupt etwas zu veröffentlichen. 1634, als er Helena in Amsterdam kennenlernte, befand er sich in einer akuten Krise und gab seine Arbeit nach der Meldung über Galileos Inhaftierung beinahe auf.

Im Roman wollte ich seine Ideen zum Leben erwecken und zeigen, was seine Arbeit in der Praxis womöglich zu bedeuten hatte – vom Aufenthalt im Freien an einem bitterkalten Wintertag in Holland bis hin zum Aufschneiden von Aalen auf einem Tisch in einem kleinen Haus in Santpoort. Für die damalige Zeit dachte er im Hinblick auf Frauen bemerkenswert fortschrittlich. Er veröffentlichte auf Französisch, schrieb in der ersten Person und wandte sich direkt an seine Leser. Er nannte seinen Hund Monsieur Grat (Herr Kratz). Ich sah diesen von Flöhen zerbissenen Hund förmlich vor mir – ich fand es nicht nur lustig, sondern entdeckte dahinter auch einen sehr menschlichen Mann.

Das Verfassen des Romans stellte meine Vermutungen über Descartes und sein Werk in Frage. Statt dieses biederen, wortkargen Einzelgängers kam ein komplett anderer Mann zum Vorschein – einer, der sich auf eine neue Leserschaft einlassen wollte, der unbedingt die Vergangenheit abschütteln und von Grundprinzipien lernen wollte; ein Mann, der Vater wurde, der von seiner kleinen Tochter entzückt und über ihren plötzlichen Tod untröstlich war.

Mein zweiter Roman, The Index of Lost Colours, den ich gerade entworfen habe, ist ganz anders. Mir fiel es nicht leicht, mich von Helena und Descartes zu lösen, aber wenn Sie genau lesen, werden Sie darin Echos finden, glaube ich.

 

Helena ist Ihre Heldin. Und sie erzählt uns die Geschichte. Wann war Ihnen klar, dass sie die Erzählende sein musste? Was ist Ihrer Meinung nach so faszinierend an ihr?

Wie bereits erwähnt, war ich nicht daran interessiert, einen Roman über einen „großen Mann der Geschichte“ zu schreiben, in dem die weibliche Rolle hinter den bestimmenden und ausschlaggebenden Handlungen des Mannes zurücksteht. Ich wollte auch nicht die Geschichte einer „resoluten“ Frau in der Kleidung des siebzehnten Jahrhunderts schreiben. Helena war durch ihren historischen Kontext eingeengt, und das aufzuzeigen war ebenso wichtig wie ihre Reaktion, ihre Handlungsweise. Sie war nicht passiv; die Geschichte musste unbedingt ihre sein.

Ich wollte zeigen, was Descartes womöglich an ihr reizvoll fand – ihre Intelligenz und ihre Lebenslust – und mich von dem gängigen Bild einer „hübschen, verführten Magd“ lösen, das nicht zu den Informationen passte, die meine anfänglichen Recherchen ergeben hatten. Ich beschloss, eine Hintergrundgeschichte für Helena zu erschaffen, eine Freundschaft mit einer anderen Magd namens Betje, um auf diese Weise ihren Charakter darzustellen, damit die Leser und Leserinnen Helena kennenlernen, bevor sie Descartes begegnet. Ich entschied mich, den Roman in der ersten Person zu schreiben und Helena eine Stimme zu geben. Ich wollte die Leserschaft hineinziehen, das Gefühl vermitteln, ein holländisches Interieur zu betreten, direkt an Helenas Seite.

Helena hat mich von Anfang an fasziniert.

Wie über so viele Frauen aus dem siebzehnten Jahrhundert existiert fast keine Aufzeichnung über ihr Leben. Die wenigen bekannten Details sind eine Folge ihrer Beziehung mit Descartes.

VS_9783471351239-Glasfurd-Worte_U1.inddZwei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter Francine gibt es einen Hinweis darauf, dass Descartes ihr geschrieben hat und auf ihre Antwort wartet. Das sagt uns, dass Helena schreiben konnte, was recht bemerkenswert ist. Helena war eine Magd und ist wahrscheinlich bis zu ihrem zwölften Lebensjahr zur Schule gegangen. Mädchen wurde Lesen und Nähen beigebracht, Jungen lernten lesen und schreiben. Das geschriebene Wort war zum größten Teil Männern vorbehalten oder das Privileg wohlhabender Frauen. Schauen Sie sich die Mägde in Vermeers Gemälden an: Sie stehen im Hintergrund; sie schenken Milch ein; sie schreiben nicht. Das machte mich neugierig. Ich fragte mich, wie Helena wohl schreiben gelernt hatte – und die Antwort auf diese Frage wurde zu einem wesentlichen Punkt im Roman. Der Roman stellt Helenas Bemühen, Lesen und Schreiben zu lernen, auf gleiche Ebene mit Descartes’ Suche nach Ursachen. Damit erscheinen ihre Anstrengungen hoffentlich den seinen ebenbürtig und weisen auf Helenas möglichen Beitrag zu Descartes’ Leben und Werk hin.

 

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre Recherche. Wo fanden Sie Ihre Quellen? Mussten Sie dafür reisen? Sind die Quellen ins Englische übersetzt? Was hat Sie während Ihrer Recherchen am meisten überrascht?

Vom Arts Council England bekam ich ein Stipendium, das für zwei Reisen nach Holland und bezahlte Zeit zum Schreiben reichte. Ich besuchte die meisten Schauplätze, die im Roman eine Rolle spielen, unter anderem Amsterdam, Deventer, Amersfoort, Egmond aan den Hoef.

Ich habe das Glück, die Unibibliothek von Cambridge vor der Tür zu haben. Ich las und las und las – Geschichten aus dem siebzehnten Jahrhundert, das Goldene Zeitalter der Niederlande, Kunstgeschichte… Natürlich war das Internet enorm hilfreich – ich weiß noch, dass ich mir auf YouTube Videos von einem Fahrradurlaub an der holländischen Küste angesehen habe, nur um ein Gefühl für die Landschaft zu bekommen! – und das war mein erster Blick auf die unglaublichen Dünen, die eine natürliche Barriere zwischen der Nordsee und der holländischen Küste bilden.

Wiederholt las ich viel in Descartes’ Werken, seine Correspondence war besonders hilfreich, da sie mir seine Stimme sowie Material für Charakterisierung und Handlung gab. Ich bemühte mich, die von mir verwendeten Quellen „querzulesen“ und zu überlegen, was darin fehlte (nicht das, was bereits bekannt ist). Manches war sehr schwer zu recherchieren, zum Beispiel die Menstruation – die für gewöhnlich erst gegen Ende der Jugendjahre einsetzte – Fruchtbarkeit, Stillen. Die holländische Genremalerei war sehr nützlich – ich suchte nach häuslichen Einzelheiten: Fußwärmer, wie Essen über einem offenen Feuer zubereitet wurde, Strohsäckchen, die zum Reinigen von Pfannen benutzt wurden. Ja, die Region um Harlem war ein Zentrum für das Bleichen von Leinen, aber darüber fand ich fast nichts auf Englisch – stattdessen verließ ich mich auf van Ruisdaels Gemälde, auf denen die Bleichen bei Harlem dargestellt sind.

Ich besuchte das Rijksmuseum in Amsterdam und sah Descartes’ Nachtuhr, die im Roman vorkommt. Bis auf seinen Briefwechsel ist sie der einzige Gegenstand aus seinem Besitz, der erhalten geblieben ist.

Im letzten Jahr fuhr ich wieder nach Egmond aan den Hoef, und ich bekam Zutritt zu der kleinen Kapelle, in der Helena beigesetzt ist. Dieser Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Wenn Sie hingehen, schauen Sie sich die Buntglasfenster aus den Dreißigerjahren des siebzehnten Jahrhunderts an. Als ich dort stand, kam mir in den Sinn, dass Helena und Descartes diese Fenster auch gesehen haben. Abgesehen davon, dass das Buntglas überhaupt dort ist (calvinistische Kirchen haben einfaches Glas), ist verblüffend, dass die Thematik vollkommen säkular ist. Auf einem Fenster fallen Bücher auf zwei Frauen herab, die an Pulten sitzen und lesen. In dem Augenblick fühlte ich mich mit Helena sehr verbunden. Sie wurde zu Lebzeiten eine schreibkundige Frau; ich hatte gerade meinen ersten Roman zu Ende geschrieben. Alles im Leben führt uns an einen bestimmten Punkt. Helenas Geschichte war der Grund, warum ich dort war, Helena war Teil meines Lebens geworden.

 

Glasfurd_Guinevere_c_Stefano Masse_1000Wie viel in Ihrem Buch ist historisch korrekt? Wie viel ist erfunden?

Natürlich ist die Geschichte erfunden, dabei habe ich mir Mühe gegeben, historisch genau zu sein. Mr. Sergeant war Buchhändler, und Limousin arbeitete als Diener bei Descartes. Descartes hat seine Vaterschaft in einer Notiz zugegeben, und Francines Taufe ist im Archiv von Deventer festgehalten. Das alles ist bekannt und unumstritten. Mrs. Anholts ist erfunden, ebenso wie Betje. Ich musste mir die Jahre zwischen Francines Geburt und Helenas eventuellem Umzug an die Nordwestküste von Holland komplett ausdenken. Ich weiß nichts über Helenas Familie, aber eine notarielle Urkunde aus Leiden legt nahe, dass sie von dort stammt. Wissen wir, ob Descartes an Francines Taufe teilgenommen hat? Nein. Aber er war katholisch, und schon das wird ihn davon abgehalten haben.

Ich habe den veröffentlichten Briefwechsel von Descartes benutzt und seine verschiedenen Ideen, Anliegen und Auseinandersetzungen in den Roman eingearbeitet. Isaac Beeckman war mit Descartes befreundet, aber ihre Beziehung war belastet. Er hat Descartes tatsächlich eine Kopie von Galileos Dialog über die zwei Weltsysteme in seine Unterkunft am Westermarkt in Amsterdam gebracht. Die Szene, in der sie miteinander streiten, hat mir viel Spaß gemacht!

 

Glauben Sie, dies ist ein historischer Roman? Oder ist es eine moderne Geschichte, die rein zufällig im frühen siebzehnten Jahrhundert angesiedelt ist?

Die Themen sind zeitgenössisch, aber natürlich ist die Kulisse aus dem siebzehnten Jahrhundert, und der Roman stellt Aspekte von Kontinuität und Veränderung dar. Am Ende hat die Leserschaft die Frage zu entscheiden. Ich war eine Zeit lang alleinerziehend und weiß, wie schwierig das sein kann, wie wütend man manchmal ist, wie das Leben angesichts der Pflege und der Bedürfnisse des kleinen Kindes auf den Kopf gestellt wird. Dank der harten Arbeit des alljährlichen VIDA-Count (Women in literary Arts) und der Initiative Read Women ist mir bewusst, dass die Buchwelt eher Männer bevorzugt. Wenn Helena von einem Buchhändler zu hören bekommt, „kein Mann kauft ein Buch, das eine Frau geschrieben hat, und mein Geschäft ist es, Bücher zu verkaufen – an Männer“, dann gehört diese Bemerkung absolut ins siebzehnte Jahrhundert, enthält aber auch heute noch ein Körnchen Wahrheit. Ein Blogeintrag von mir dazu lautete: Nicht alles ist gleich. Damals nicht. Heute nicht.

Der Roman beschäftigt sich mit der Unsichtbarkeit von Frauen in der Geschichte. Vielleicht gibt es im Archiv mehr in Bezug auf Helena, das noch zu finden ist. Vielleicht. Das Leben von Frauen wurde über Jahrhunderte hinweg nicht dokumentiert. Das erklärt teilweise, warum Helena so wenig Aufmerksamkeit in Geschichten und Biographien über Descartes gewidmet ist. Romanautoren lassen sich vom Schweigen der Archive nicht einengen. Erzählende Literatur lässt zu, dass unsere Aufmerksamkeit abschweift und sich neu konzentriert, damit scheinbar unbedeutende Figuren vortreten und das Wort ergreifen können. Damit wird eine neue Perspektive aufgezeigt, die uns helfen kann, ein weithin bekanntes Thema neu zu betrachten und anders zu sehen.

Ja, es ist eine Geschichte aus dem siebzehnten Jahrhundert, aber ich hoffe, dass vieles daraus auch heute noch nachhallt.

Erzählen Sie uns doch bitte eine lustige oder persönliche Anekdote, die Ihnen unterkam, als Sie das Buch schrieben, recherchierten, mit anderen darüber sprachen.

Na ja, da gibt es die Geschichte, wie das Buch zu seinem Titel kam.

Der ursprüngliche Titel war x y z – und ich fand ihn perfekt. Und als ich herausfand, dass xyz in der Algebra für Descartes das „Unbekannte“ bezeichnete und abc das „Bekannte“, dachte ich, den besten Titel überhaupt zu haben, denn xyz erzählte uns nicht nur etwas über Descartes, sondern auch über Helena – ihre Geschichte war die unbekannte, die der Roman enthüllt.

Aber obwohl er mir sehr gefiel, ging es vielen nicht so. Manche dachten, ich hätte einen Psychothriller geschrieben, andere glaubten ein Buch über Mathematik vor sich zu haben. Doch was den Titel ein für alle Mal zunichte machte, war das Gespräch mit dem akademischen Berater, der Descartes studiert hat und an einer neuen Übersetzung von Descartes’ Correspondence arbeitet. Wir kamen auf den Titel des Buches zu sprechen, und ich erklärte, dass manche Menschen ihn nicht begriffen. Er schaute mich völlig verständnislos an, wandte sich mir zu und sagte: „Ich dachte immer, xyz sei nur ein Blindtext, bis Ihnen ein richtiger Titel einfällt!“

Ah-ha. Oh. Und das war das Ende von xyz!

Die Fragen stellte Monika Boese.


 

Weblinks
Die offizielle Website von Guinevere Glasfurd
„Worte in meiner Hand” auf der Seite der Ullstein Buchverlage
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Guinevere Glasfurd

Guinevere Glasfurd

Guinevere Glasfurd ist im bergigen Norden Englands aufgewachsen, doch jetzt lebt sie in einer der flachsten Gegenden der Welt, am Rand der Fens nahe Cambridge, gemeinsam mit Ehemann, Tochter und zwei Katzen. Sie ist die Autorin von Worte in Meiner Hand. Ihr Debütroman, der die geheime Beziehung zwischen der holländischen Magd Helena Jans und dem französischen Philosophen René Descartes erzählt, ist im August 2015 bei Ullstein erschienen. Im November 2016 erscheint er außerdem als Taschenbuch.

Foto: © Stefano Masse

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