Die Tigerente träumt von Regenwürmern. Sagt sie.

Am 11. März wird der berühmte Kinderbuchautor Janosch 85 Jahre alt. In seiner gerade erschienenen Biografie bekommen wir Einblick in ein bewegtes Leben und in die Gedankenwelt des geistigen Vaters der Tigerente. Zum Geburtstag durften wir ihm ein paar Fragen stellen.

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Ein Journalist hat Sie einmal als „Traumfänger“ bezeichnet. Was war Ihr letzter Traum, an den Sie sich erinnern können?

Dass ich einen Vogel fing und der flog auch danach nicht weg.

Wovon träumt die Tigerente?

Von Regenwürmern. Sagt sie.

Und hat die eigentlich ein Geschlecht? Junge oder Mädchen?

„Ente” ist ein Geschlecht. Das hat hat sie dann.

Wie ist es, ein Buch über sich selbst zu lesen?

Ich weiß es nicht, ich las noch kein Buch über mich selbst.

Warum gerade Panama? Und was sagt das Land Panama dazu?

Panama hat mir einen Orden für diese Behauptung verliehen.

Welche Ihrer Figuren ist Ihnen die liebste?

Der glückliche Maulwurf.

Halten Sie Ihre Erwachsenen- oder Ihre Kinderbücher für die gelungeneren Bücher?

Noch keines von beiden.

Mögen Sie Kinder? Warum oder warum nicht?

Aber ja doch. Schon deswegen.

Was ärgert Sie?

Nichts.

Wie reagieren Sie, wenn jemand Sie oder ihre Arbeit kritisiert?

Ich freue mich, denn so einer hat ja doch mindestens den ersten Satz gelesen.

Glauben Sie, dass die Welt ohne Menschen besser dran wäre?

Wer ist „die Welt”? Die Welt ist eine Kugel. Eine Kugel ist eine Kugel ist eine Kugel.

Können Sie drei der wertvollsten Bücher nennen, die Sie kennen?

Ich lese seit vielen Jahren nicht mehr und davor war es Karl Mays Winnetou.

Was bedeutet für Sie Freude und Glück?

Beides ist wunderbar.

Was bedeutet für Sie Freiheit?

Freiheit wovon?

Wenn Sie zurückblicken, was würden Sie anders machen, wenn Sie die Chance hätten?

Ich blicke nicht zurück, denn: „Dreh dich nicht um, Frau Loth!” (steht so in der Bibel. Die Bibel hat immer recht).

Das Leben in drei Worten:

Viel zu kurz.


→ mehr über das Buch

bajorek_janosch_coverOh, wie schön ist Panama, Tigerente und der kleine Bär — Janosch ist der bekannteste deutsche Kinderbuchautor. Sein Werk umfasst über 300 Bücher, übersetzt in 40 Sprachen. Über ihn selbst weiß man nur wenig. Angela Bajorek ist es gelungen, von Janosch Einblicke in sein bewegtes Leben zu erhalten.

In seinen Kinderbüchern erschuf Janosch phantastische Welten — und damit einen Kontrast zu seiner eigenen schwierigen Kindheit. 1931 im oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze) geboren, haben die Gewalterfahrung zu Hause und in der Jesuitenschule ihn zu einem Traumsucher gemacht und zu einem zwischen Humor und Sarkasmus schwankenden Eigenbrötler. In ihrer einfühlsamen Biographie Wer fast nichts braucht, hat alles präsentiert Angela Bajorek Janosch als faszinierenden Künstler, aber auch als ungewöhnlichen, durch Krankheiten gezeichneten und dennoch optimistischen Menschen — als einen Mann, der nach einem aufregenden Leben heute große Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

Links
Wer fast nichts braucht, hat alles auf den Seiten der Ullstein Buchverlage
Die offizielle Janosch-Website
Janosch bei Facebook

Angela Bajorek

Angela Bajorek

Angela Bajorek ist Germanistin und lehrt am Neuphilologischen Institut der Pädagogischen Universität Krakau. Für ihre Habilitationsarbeit über Janosch begann sie an den Originalschauplätzen und in Archiven zu forschen. Schließlich tauschte sie über 900 E-Mails mit Janosch aus und besuchte ihn zweimal auf Teneriffa.

Foto: © Maciej Bajorek

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