80 Jahre in Tibet – dem Dalai Lama zum Geburtstag

Am 6. Juli wurde Tenzin Gyatso, besser bekannt als der 14. Dalai Lama, 80 Jahre alt. Am 12. Juli feiert der Friedensnobelpreisträger von 1989 seinen Geburtstag in Wiesbaden nach – mit dabei: die tibetische Mantra-Sängerin Dechen Shak-Dagsay, die hier beschreibt, was der Dalai Lama für sie, für die Menschen in Tibet und in der Welt bedeutet.

von Dechen Shak-Dagsay

 

Für die Tibeter ist Tenzin Gyatso kein gewöhnlicher Mensch. Ein Dalai Lama ist die Verkörperung Bodhisattva Avalokiteshvaras, ihres Schutzpatrons, der das Mitgefühl aller Buddhas repräsentiert. Dieser wird angerufen mit dem berühmtesten und zugleich populärsten aller Mantren: „Om Mani Peme Hum“.

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Bodhisattva Avalokiteshvara (Foto: The Bodhisattva Avalokiteshvara/Donald McCauley)

Die große Verehrung meiner Eltern und Großeltern für den Dalai Lama prägte mich schon in meiner Kindheit. Als ich 13 Jahre alt war, hatte ich zum ersten Mal die Ehre, für Seine Heiligkeit zu singen und brachte damit natürlich meine ganze Familie in helle Aufregung. Nicht weniger Lampenfieber als damals verspürte ich bei meinem Auftritt im Juni 2003, als der Dalai Lama in der bis zum letzten Platz gefüllten Olympiahalle in München einen Vortrag hielt. Dass er meine Lieder und meine Musik – und damit die Tradition Tibets – auf diese Weise segnet, ebnet den Weg in die Herzen der Menschen, wofür ich ihm unendlich dankbar bin.

Für einen Auftritt mit dem Dalai Lama im August 2011 hatte mich mein langjähriger Fan und lieber Freund, der Schauspieler Ralf Bauer, den Veranstaltern von „Freunde-für-einen-Freund” empfohlen. Dieser Verein war von den Mitgliedern einer Delegationsreise nach Tibet gegründet worden nach den alarmierenden Schilderungen des Dalai Lama zur prekären Situation des tibetischen Volkes.

Dechen Shak-Dagsay und S.H. der 14. Dalai Lama / © privat

Dechen Shak-Dagsay und S.H. der 14. Dalai Lama / © privat

S.H. der 14. Dalai Lama überzeugt die Menschen mit seiner unglaublichen Authentizität, Geistesklarheit, Wärme, Menschlichkeit, seinem Witz, seinem Charme und seinem entwaffnenden Lächeln.
Er ist in erster Linie ein Mensch und lässt alles andere unwesentlich erscheinen. Mich fasziniert, dass er offen ist gegenüber anderen Glaubensrichtungen und dass er die Essenz des Buddhismus wie kein anderer so wunderbar vermitteln kann.

»Versuchen Sie nicht, das, was Sie durch den Buddhismus lernen, dazu zu benutzen, ein Buddhist zu werden; benutzen Sie das Gelernte, sich zu einem besseren Menschen zu entwickeln.«  S. H. der 14. Dalai Lama

Und er ist, was kein Politiker oder Kirchenoberhaupt verkörpert: eine Friedensikone in einer Welt voller Konfliktherde, in der die Menschen Halt und Zuversicht suchen.
Selbst unter den Chinesen gibt es mittlerweile viele, die ihn als lebenden Buddha verehren und eine große Wertschätzung für die tibetische Kultur entwickeln.

Als Tibeter hat man ganz automatisch einen sehr engen Bezug zum Dalai Lama, da er für sein Volk innerhalb wie außerhalb Tibets der Hoffnungsträger schlechthin ist. Er genießt den Respekt und die große Zuneigung seines Volkes, und es macht jeden von uns stolz, dass der Dalai Lama laut Time Magazine zu den beliebtesten und geachtetsten Menschen der Welt gehört.

Am 6. Juli 2015 wurde dieser jugendliche und vor Elan sprühende Mann 80 Jahre alt, und die Glückwünsche erreichten ihn von Menschen rund um den Erdball. Doch seinen Geburtstag feiert er hier: am 12. Juli im beschaulichen Wiesbaden bei „Freunde-für-einen-Freund”. Wieder werde ich für ihn auftreten – zusammen mit meinem Day Tomorrow-Ensemble. Und „Om Mani Peme Hum“ – gesungen mit dem ganzen Publikum – soll mein Geburtstagsgeschenk für Seine Heiligkeit sein.


 

Dechen Shak-Dagsay

Dechen Shak-Dagsay

Dechen Shak-Dagsay ist Tibeterin und lebt mit ihrer Familie seit ihrer Kindheit in der Schweiz. Traditionellen tibetischen Gesang und Tanz hat sie bereits als Kind erlernt. Sie gibt weltweit Konzerte vor einem großen Publikum. Ihr Buch „Mantras” ist 2014 im Allegria Verlag erschienen.

Foto: © Stephan Schacher

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