Gebt dem Grauen einen Namen

2015 jährte sich das Kriegsende in Vietnam zum 40. Mal. Im folgenden Artikel „Die US-Invasion in Vietnam: Gräuel der Vergangenheit oder Schrecken der Zukunft?“ widmen sich die Autoren Oliver Stone und Peter Kuznick diesem schwarzen Kapitel der US-amerikanischen Geschichte und zeigen die Gefahr des Vergessens auf.

von Oliver Stone und Peter Kuznick
aus dem Amerikanischen von Daniele Raffaele Gambone

Vietnam War_Raymond Depardon_CC BY 20

Wenn der 40. Jahrestag zum Ende des Vietnamkriegs eines gezeigt hat, dann, dass die Geister von Vietnam in den Vereinigten Staaten noch immer keine Ruhe gefunden haben. Vier Jahrzehnte nach dem Triumph des vietnamesischen Volkes über das korrupte und US-gestützte südvietnamesische Regime kam es in den Vereinigten Staaten zu einem bunten Reigen an Veranstaltungen. Über die Bedeutung dieses Jahrestages oder die Lehren, die aus ihm zu ziehen sind, herrschte allerdings wenig Einigkeit.

Für die meisten vietnamesischstämmigen Amerikaner, besonders jene, die sich während der Auseinandersetzung auf die Seite der Vereinigten Staaten geschlagen und nach dem Sieg der Kommunisten Zuflucht in den USA gesucht hatten, war es ein Tag der Trauer. Sie beweinten, was sie damals ihrer Ansicht nach mit dem Fall Saigons einbüßten. Den 30. April 1975 bezeichnen sie als den „Tag, an dem wir unser Land verloren“.

Seit seinem Einsatz ist er noch fünfzehn weitere Male in Vietnam gewesen

Die Vietnamveteranen hielten im ganzen Land eigene Gedenkveranstaltungen ab. Eine der bemerkenswerteren fand in Conyers, Georgia, statt. Im Mittelpunkt stand eine Replik des Vietnam Veterans Memorial, die tags zuvor beim örtlichen Harley Davidson-Händler eingetroffen war. Eine Kolonne von Vietnamveteranen aus den Motorradclubs der Gegend eskortierte sie zur „Walk of Heroes“-Gedenkstätte im Black Shoals Park unweit von Atlanta. Dort angekommen setzten sie gemeinsam mit anderen Freiwilligen und Insassen aus den Kreisgefängnissen die Einzelteile der Gedenkwand zusammen. Es handelte sich um eine von mehreren im Maßstab reduzierten Nachbildungen des Vietnam Veterans Memorial in Washington, D.C., die zuvor schon in Lawrence, Indiana, gewesen war und anschließend nach Clearwater, Florida, gebracht wurde. Teil der Gedenkveranstaltung waren auch 1.584 amerikanische Fahnen – eine für jeden in Vietnam Gefallenen aus Georgia. Es gab auch einen „Through the Eyes“ („Mit den Augen“) betitelten Zeltstand von John Hosier, einem Veteranen aus Missouri. Hosier, der 1967 in der Schlacht bei Dak To verwundet worden war, litt an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, zu deren Heilung seine Rückkehr nach Vietnam im Jahr 1992 beitrug. Er ist seitdem noch fünfzehn weitere Male dort gewesen und hat unter anderem beim Bau eines Krankenhauses und eines Friedensparks mitgewirkt. Zu den Rednern zählten neben Lieutenant General Claude „Mick“ Kicklighter, der dem Begrüßungskomitee des Verteidigungsministeriums vorsteht, auch Susie Harvey, die Schwester eines vermissten Veteranen und Leiterin der Angehörigenorganisation „National League of POW/MIA Families“, sowie James Blaylock, ein Kriegsversehrter und ehemaliger National Commander des „Military Order of the Purple Heart“.

Veteranen machten gegen diese Verzerrung der Geschichte mobil

Kicklighters Teilnahme spricht Bände. Er leitet seit 13 Jahren eine Erinnerungskampagne, deren Ziel es ist, das Kriegsdebakel in ein besseres Licht zu rücken. Veteranen der Antikriegsbewegung brachten sie mächtig ins Stocken, als sie ihrerseits gegen diese Verzerrung der Geschichte mobilmachten. Für ihren offenen Brief an die Gedenkkommission des Pentagons sammelten sie über 1.400 Unterschriften. Die Unterzeichner verlangten eine präzise und ausgewogene Darstellung, in der auch die US-amerikanischen Gräueltaten und die Stimmen der Antikriegsbewegung berücksichtigt werden. Als Reaktion auf diesen Aufschrei nahm die Pentagon-Kommission Änderungen an ihrer Agenda vor und sah von Plänen ab, Materialien für die Lehrkräfte der Highschools anzufertigen.

Vietnam Veterans with Washington Monument_Hu Totya_

Am 17. April 1965 protestierten fast 25.000 Menschen in Washington gegen die amerikanische Invasion

Die Antikriegsaktivisten organisierten eigene Gedenkveranstaltungen in Washington, die von Altvorderen der Bewegung wie Tom Hayden, Dan Ellsberg und Julian Bond angeführt wurden. Diese Kundgebungen verfolgten ein ganz anderes Ziel. Sie wollten die Vergangenheit ans Tageslicht bringen, um der gegenwärtigen Flut an US-Kriegen und -Interventionen besser Einhalt gebieten zu können. Aus Sicht der Antikriegskräfte fiel in den April 2015 nicht nur der 40. Jahrestag des nordvietnamesischen Sieges, sondern auch der 50. Geburtstag der modernen Antikriegsbewegung, die mit dem ersten Marsch gegen den Vietnamkrieg ihren Anfang nahm. Dessen Organisatoren, die „Students for a Democratic Society“ (SDS), waren überwältigt, als sich am 17. April 1965 fast 25.000 Menschen in Washington einfanden, um gegen die amerikanische Invasion zu protestieren. Der Höhepunkt der Veranstaltung war –  abgesehen von Philip Ochs’ „Love Me I’m a Liberal“, mit dem der radikale Folksänger jene liberale Politik des Kalten Krieges attackierte, die den Vietnamkrieg eingeleitet hatte – die Abschlussrede des 26-jährigen SDS-Vorsitzenden Paul Potter. Potter sprach für eine ganze Generation von Amerikanern, der gerade die Augen aufgingen. Es war unsere Generation. Obwohl der eine von uns sich freiwillig für den Einsatz in Vietnam meldete, während der andere sich freiwillig für eine ganz andere Art von Einsatz in der Antikriegsbewegung entschied, waren wir doch beide derart vom Patriotismus beseelt, dass es für uns gleichermaßen schwer wie schmerzhaft war, die Wahrheit über unser Land zu akzeptieren. Potter hatte das verstanden, und seine Worte sind heute noch so ergreifend wie vor 50 Jahren. Sie verdienen es, in voller Länge zitiert zu werden.

Er begann folgendermaßen:

 

„Die meisten von uns sind in dem Glauben groß geworden, dass die Vereinigten Staaten eine starke, aber demütige Nation sind, die sich nur widerwillig ins Weltgeschehen einmischt, die die  Integrität anderer Systeme und anderer Nationen respektiert und die Krieg als letzten Ausweg versteht. Eine Nation ohne großes stehendes Heer, ohne Eroberungsabsichten, die in erster Linie danach strebt, ihre eigenen Reichtümer und ihre eigene Lebensweise zu fördern. Wenn uns manchmal vage und beunruhigende Dinge darüber zu Ohren kamen, was dieses Land in Lateinamerika, China, Spanien oder andernorts angerichtet hatte, so behielten wir gleichsam doch unsere Zuversicht in die grundlegende Integrität der Außenpolitik dieser Nation …

Für Menschen, die so wie wir groß geworden sind, ist das eine schreckliche und bittere Erkenntnis

Aber in den letzten Jahren, … haben viele von uns angefangen, ihre Einstellung – dieses tiefe und grundlegende Gefühl unserem Land gegenüber – zu überdenken. Der unglaubliche Krieg in Vietnam hat mit erschreckender Schärfe selbst dem letzten bisschen Illusion ein Ende bereitet, dass Moral und Demokratie die Grundsätze der amerikanischen Außenpolitik sind. … Je tiefer wir ergründen, was dieses Land in Vietnam tut und vorhat, umso mehr neigen wir zum Fazit des Senators Morse, dass die Vereinigten Staaten heute die größte Gefahr für den Frieden auf Erden darstellen. Für Menschen, die so wie wir groß geworden sind, ist das eine schreckliche und bittere Erkenntnis – und unsere Abscheu vor dieser Einsicht, unsere Weigerung, sie als unausweichlich und notwendig zu akzeptieren, ist einer der Gründe dafür, warum heute so viele Menschen hierher gekommen sind.

Der Präsident sagt, dass wir in Vietnam die Freiheit verteidigen. Aber wessen Freiheit? Nicht die Freiheit der Vietnamesen … Man könnte sagen, dass Vietnam das Laboratorium einer neuen Generation von Dunkelmännern ist, die im Krieg eine Art sinnvoller Übung in internationaler Machtpolitik sehen. Vietnam ist das Testgelände und die Schaubühne für eine neue amerikanische Antwort auf die soziale Revolution, die sich in den verarmten und unterdrückten Regionen dieser Welt ausbreitet. Es ist der Ausgangspunkt für die amerikanische Konterrevolution …

Anti War Protests CC BY SA 40

Wir müssen das System benennen

Aber der Krieg geht weiter. Die Freiheit, diesen Krieg zu führen, hängt von der Entmenschlichung nicht nur der Vietnamesen, sondern auch der Amerikaner ab. Sie hängt von der Konstruktion eines Systems aus Prämissen und Denkweisen ab, das den Präsidenten und seine Berater vollständig vor den menschlichen Konsequenzen der von ihnen getroffenen Entscheidungen abschirmt. Ich glaube nicht, dass der Präsident oder Mr. Rusk oder Mr. McNamara oder sogar McGeorge Bundy ausgesprochen böse Menschen sind. Forderte man sie dazu auf, ein zehnjähriges Kind mit Napalm zu überschütten, würden sie vor Schreck zusammenzucken – und doch haben ihre Entscheidungen bei Tausenden und Abertausenden von Menschen zu Verstümmelung und Tod geführt.

Welche Art von System erlaubt es anständigen Männern, diese Art von Entscheidungen zu treffen? Welche Art von System rechtfertigt es, dass die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes Land das Schicksal des vietnamesischen Volkes in seine Hand nimmt und es kaltblütig für die eigenen Zwecke missbraucht? Welche Art von System entrechtet die Menschen im Süden, lässt Millionen und Abermillionen von Menschen in Armut zurück …, stellt immer wieder materielle vor menschliche Werte und besteht trotz allem darauf, sich selbst frei und zur Beaufsichtigung der Welt geeignet nennen zu dürfen? …

Wir müssen das System benennen. Wir müssen es benennen, es beschreiben, es analysieren, es verstehen und es ändern. Denn erst, wenn das System geändert und unter Kontrolle gebracht ist, kann Hoffnung darauf bestehen, jene Kräfte zu stoppen, die heute einen Krieg in Vietnam anzetteln oder morgen einen Mord im Süden oder all die ungezählten und unzählbaren weiteren Gräueltaten, die überall und jederzeit an Menschen begangen werden.“

 

In unserem Dokumentarfilm- und Buchprojekt namens Amerikas ungeschriebene Geschichte“ haben wir Potters Faden aufgegriffen. Wir haben seine Herausforderung angenommen. Wir haben das System benannt, es beschrieben, es analysiert und seine Geschichte erzählt. Das US-Imperium, das ein Ergebnis von ungezügeltem Finanzkapitalismus im In- und Imperialismus im Ausland ist, zeigte sich in Vietnam, wie schon zuvor in Hiroshima und Nagasaki, von seiner düstersten, hässlichsten und blutigsten Seite. Seine Rücksichtslosigkeit kannte so gut wie keine Grenzen. Wir zeigten, dass der Vietnamkrieg keine Abweichung von der Regel war. Wir stellten ihn in einen engen Zusammenhang mit diversen US-Invasionen, dem Sturz fortschrittlicher Regierungen und der Unterstützung von Diktaturen in Brasilien, der Dominikanischen Republik, Griechenland, Indonesien und Chile. Wir verfolgten die Rolle der USA im Vietnamkrieg bis zu ihren konterrevolutionären Wurzeln zurück: der blutigen Unterdrückung der philippinischen Unabhängigkeitsbewegung am Übergang zum 20. Jahrhundert und der bedauerlichen Geschichte wiederholter globaler Interventionen.

Die USA warfen mehr Bomben auf das kleine Vietnam ab als in allen vorangegangenen Kriegen zusammen abgeworfen worden waren – das Dreifache aller im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Bomben

Und doch erreichten die Vereinigten Staaten mit Vietnam ihren absoluten Tiefpunkt. Über drei Millionen Vietnamesen starben in diesem Krieg. Einer der frühen Hauptarchitekten des Krieges, Robert McNamara, bezifferte in einer Rede vor amerikanischen Universitätsstudenten die toten Vietnamesen auf 3,8 Millionen und unterstrich diesen Aspekt, indem er erklärte, dass dies auf die US-Bevölkerung hochgerechnet 27 Millionen toten Amerikanern entspräche. Die Vereinigten Staaten warfen mehr Bomben auf das kleine Vietnam ab als in allen vorangegangenen Kriegen von allen kriegsbeteiligten Parteien zusammen abgeworfen worden waren – das Dreifache aller im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Bomben.  Die Blindgänger sind auch heute noch über einen Großteil des Territoriums verstreut. Seit Kriegsende wurden über 105.000 Vietnamesen durch die Landminen, Granaten und Bomben, von denen das Land übersät ist, verwundet oder getötet. Auch die chemischen Pflanzenvernichtungsmittel fordern weiterhin ihren Tribut. Die Vereinigten Staaten versprühten über 19 Millionen Gallonen an Herbiziden. Sie vernichteten auf diese Weise über 4,5 Millionen Morgen Land und zerstörten die wunderschönen vietnamesischen Urwälder nahezu vollständig. Am häufigsten kam Agent Orange zum Einsatz. Die vietnamesischen Behörden schätzen, dass 4 Millionen Vietnamesen an den oftmals verheerenden Nachwirkungen von Agent Orange leiden, darunter Nachfahren der zweiten und dritten Generation, die mitunter schreckliche Geburtsfehler aufweisen. Im Süden machten die Vereinigten Staaten 9.000 von 15.000 Dörfern dem Erdboden gleich. Im Norden wüteten sie sogar noch schlimmer und zerstörten alle sechs Industriestädte, 28 von 30 Provinzstädten und 96 von 116 Kreisstädten.

Four-ship formation on a defoliation spray run. (U.S. Air Force photo)

Die Verantwortlichen dieser Gräueltaten sind nie zur Rechenschaft gezogen worden

Die Verantwortlichen dieser Gräueltaten sind nie zur Rechenschaft gezogen worden. Weder kamen sie vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, noch mussten sie sich in einer Art Nürnberger Prozess verantworten. Sie wurden auch nicht in orangefarbene Overalls oder Häftlingsuniformen gesteckt und nach Guantanamo oder ins Hochsicherheitsgefängnis von Fremont County, Colorado, gebracht. Einer der Hauptarchitekten des Krieges, Henry Kissinger, hat sogar den Friedensnobelpreis verliehen bekommen, obwohl er viele Länder aus Angst vor einer Verhaftung erst gar nicht bereist. Kein amerikanischer Präsident hat sich nach dem Krieg für eine ehrliche Abrechnung mit der US-Politik stark gemacht oder gefordert, dass die Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden. Jimmy Carter hatte zeitweilig ein Einsehen und erklärte im Rahmen seines Wahlkampfes für die Präsidentschaftswahlen von 1976, dass „sich unser Land niemals wieder militärisch in die inneren Angelegenheiten einer anderen Nation einmischen darf, solange keine unmittelbare und eindeutige Gefahr für die Vereinigten Staaten oder ihr Volk besteht“. Er versprach, „die falschen Aussagen und mitunter offenen Lügen“, die andere führende Politiker zur Verteidigung ihrer Vietnam-Politik vorgebracht hatten, auf keinen Fall zu wiederholen. Carters aufrichtige und fortschrittliche Überzeugungen hielten aber nur ungefähr so lange wie die von Barack Obama. Drei Monate nach Amtsantritt umschrieb Carter die Vietnamveteranen als Freiheitskämpfer, die „ohne jedes Bedürfnis, Land zu erobern oder anderen Völkern den amerikanischen Willen aufzuzwingen, nach Vietnam gezogen waren“. Das erinnert auf traurige Weise an Obamas Begrüßung der aus dem Irak heimkehrenden US-Truppen in Fort Bragg nach dem „Ende“ dieses weiteren Debakels. Obama lobte sie nicht nur dafür, „einen souveränen, stabilen und selbstständigen Irak hinterlassen zu haben“, sondern spendete sogar Beifall für die Bereitschaft der Truppen, „so viel für Menschen, die sie niemals getroffen hatten“, zu opfern, was „Teil dessen ist, was uns Amerikaner so besonders macht. Anders als andere Mächte“, versicherte er, „erbringen wir diese Opfer nicht für den Territorialgewinn oder die Bodenschätze. Wir tun es, weil es richtig ist“. Er rühmte Amerikas „einzigartige Bereitschaft unter den Nationen, einen hohen Preis für den Fortschritt der menschlichen Freiheit und Würde zu zahlen. Das ist es, was uns ausmacht. Das ist es, was wir als Amerikaner – gemeinsam – tun“.

Obama hat die Lehren Vietnams längst vergessen

Sollte Obama die Lektion, die uns Vietnam lehrt, jemals gelernt haben, so hat er sie offensichtlich, wie die meisten Amerikaner, längst wieder vergessen. Für einen Großteil der Amerikaner steht die wichtigste Lektion auf der Vietnam-Gedenkmauer in Washington, D.C., jenem Denkmal also, dessen Nachbildung im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung in Conyers, Georgia, stand. Die zwei Einzelwände, aus denen sich das Monument zusammensetzt, tragen als Inschrift die Namen der 58.280 verstorbenen Amerikaner. Die Lektion ist unmissverständlich: Die Tragödie von Vietnam besteht im Tod von 58.280 Amerikanern. Beide Wände bringen es zusammen auf eine Länge von 492 Fuß (ca. 150 Meter). Würden sie auch die Namen der 3,8 Millionen Vietnamesen enthalten, der über eine Million Kambodschaner und Laoten sowie all der anderen, die ums Leben kamen, wären sie über 8 Meilen lang. So sähe ein passendes Denkmal für einen Krieg aus, der in der Geschichte des US-Imperiums auf ewig ein Schandfleck bleiben wird. Es würde auch gleich eine ganz andere Botschaft aussenden.

Aber wie die jüngsten Gedenkveranstaltungen zeigen, entspricht das keineswegs der Stimmung unter den Amerikanern. Tatsächlich ergab die aktuellste Gallup-Umfrage zu diesem Thema erschreckenderweise, dass 51 Prozent der 18- bis 29-jährigen Amerikaner gegenwärtig der Überzeugung sind, der Vietnamkrieg sei es wert gewesen, geführt zu werden. Die Tatsache, dass wir dieses Ergebnis eher der Ignoranz als dem bösen Willen zu verdanken haben, kann für diejenigen unter uns, deren Ziel es ist, dass Nationen aus ihrer Vergangenheit lernen, nur ein schwacher Trost sein. Der Kampf um eine aufrichtige historische Analyse und ein besseres Verständnis dreht sich mehr um die Zukunft als um die Vergangenheit, und wir sind gerade dabei, ihn an zu vielen Fronten zu verlieren. Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln. Wir müssen diese Schlacht gewinnen. Die Zukunft hängt davon ab.


 

Weblinks
Die offizielle Website von Oliver Stone
„Amerikas ungeschriebene Geschichte” auf den Seiten der Ullstein Buchverlage

Oliver Stone bei Facebook und Twitter

 

 

Oliver Stone

Oliver Stone

Oliver Stone, geboren 1946, zählt zu den renommiertesten Filmregisseuren und Drehbuchautoren der USA. Er erhielt drei Oscars (für „Midnight Express”, „Platoon” und „Geboren am 4. Juli”. Seine Filme widmen sich überwiegend der amerikanischen Zeitgeschichte, u.a. dem Vietnamkrieg und den Präsidentschaften Kennedys und Nixons. Sie entfachten heftige politische Kontroversen. Zur Zeit arbeitet Stone an einem Film über Edward Snowden, den er als Held bezeichnet.

Foto: © Michael Segal Photography

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