Was Sie jetzt wirklich brauchen, um die Grippewelle zu überstehen

Kalt ist es schon, Winter wird es sicher und so ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die alljährliche Grippewelle anrollt. Wie Sie sich am besten davor schützen und ob sie sich wirklich die Grippe oder nur deren kleine Schwester, die Erkältung, eingefangen haben, das finden sie mit Dr. Johannes‘ Tipps heraus.

von Dr. Johannes Wimmer und Dr. Robin Haring

Dr_Johannes_Sneeze_James Gathany, Brian Judd, USCDCP

Erst kratzt der Hals, dann tropft die Nase und am Ende müssen Sie ständig niesen, fühlen sich angeschlagen und werden von hämmernden Kopfschmerzen geplagt. Aber was genau haben Sie sich eingefangen? Schnupfen, Grippe, Erkältung oder grippaler Infekt?

Ihr Arzt steht nun vor der Herausforderung, Ihre Beschwerden richtig einzuordnen und eine treffende Diagnose zu stellen. Dafür sind Ihre Angaben zum bisherigen Krankheitsverlauf absolut notwendig. Je besser Sie Ihre Beschwerden beschreiben können, desto hilfreicher sind diese Informationen für Ihren Arzt.

Weil die Symptome bei Erkältungen und Grippe recht ähnlich sind, besteht nämlich erhöhte Verwechslungsgefahr. Also ist es besonders wichtig, dass Sie Ihrem Arzt genaue Auskunft zum Verlauf Ihrer Beschwerden, Kopf- & Gliederschmerzen, Husten & Schnupfen sowie Ihrer allgemeinen Verfassung geben können. Die Symptome bilden dann die Grundlage einer treffenden Diagnose und werden wie folgt zugeordnet:

Symptom Erkältung (grippaler Infekt) Grippe (Influenza)
Halsschmerzen wahrscheinlich (oft das 1. Symptom) Unwahrscheinlich
schnupfende Nase Wahrscheinlich Unwahrscheinlich
Gliederschmerzen Leicht Stark
Kopfschmerzen Leicht Stark
Husten produktiv (mit Auswurf) Trocken
Fieber selten oder nur leicht erhöht plötzlich einsetzend und hoch
Verlauf Symptome treten langsam auf,

Beschwerden klingen nach einer Woche ab

Symptome treten schnell auf,

Beschwerden halten länger als eine Woche an

allgemeine Verfassung müde & abgeschlagen miserabel, „wie vom Bus angefahren“
Impfung nicht möglich Möglich

Nachdem Ihr Arzt eine treffende Diagnose gestellt hat und nun klar ist womit Sie es zu tun haben, folgt die Therapie. Eine klassische Erkältung können Sie mit geeigneten Medikamenten und altbewährten Hausmitteln (inhalieren, Erkältungsbad & Tee trinken) meistens in Eigenregie auskurieren. In Ihrer Apotheke gibt es zu kaum einer anderen Erkrankung so vielfältige und rezeptfreie Möglichkeiten der Selbstbehandlung.

Generell gilt bei klassischen Anzeichen einer Erkältung wie Halskratzen, Heiserkeit oder einer tropfenden Nase: je schneller Sie bei den ersten Symptomen handeln, desto besser. Mit einer frühen und gezielten Behandlung können Sie nämlich nicht nur den Verlauf lindern und den vollständigen Ausbruch der Erkältung abwenden, sondern auch verstopfte Nasennebenhöhlen und andere Komplikationen wirkungsvoll verhindern.

Dass Husten und Schnupfen uns immer wieder quälen und viele Menschen bis zu vier Mal jährlich erwischt, liegt daran, dass es über 100 verschiedene Erkältungsviren gibt, diese sich ständig verändern und sich unsere Körperabwehr bzw. unser Immunsystem darauf immer wieder neu einstellen muss. So schätzen Wissenschaftler, dass wir im Laufe unseres Lebens bis zu 300 Erkältungen durchleiden. Daher lauten die besten Tipps bei einer Erkältung:

  • viel trinken (2 Liter stilles Wasser, auch etwas Tee): so halten Sie den Schleim flüssig und werden ihn schneller los
  • Erkältungsbad: heiße Badewanne mit ätherischen Ölen wie zum Beispiel Eukalyptusöl oder Menthol wirkt schleimlösend und entzündungshemmend
  • inhalieren: hält die Atemwege feucht und löst festsitzenden Schleim
  • Ruhe bewahren: Ihr Immunsystem läuft auf Hochtouren und braucht ausreichend Ruhe. Schonen Sie sich, vermeiden Sie jeglichen Stress und fangen Sie nicht zu früh an sich wieder zu belasten

Wenn Ihnen hingegen eine Grippe regelrecht den Boden unter den Füßen wegzieht, dann ist ein Arztbesuch ratsam. Bei hohem oder anhaltendem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen und anhaltenden Beschwerden sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um einen schweren oder gar tödlichen Krankheitsverlauf zu verhindern. Im letzten Jahr sorgte die Grippesaison mit insgesamt 88.000 Erkrankungsfällen für sechs Millionen zusätzliche Arztbesuche und mehr als 30.000 Krankenhauseinweisungen – und zählte damit, mal abgesehen von der Schweinegrippe 2009, zu den heftigsten Grippewellen seit 2001.

Trotzdem erheben viele Patienten bei einer Grippe-Diagnose vehement Einspruch: „Aber ich habe mich doch extra gegen Grippe impfen lassen!?!“ – heißt es dann immer wieder. An dieser Stelle ist von mir als Arzt echte Aufklärungsarbeit gefragt:

Zum einen ist die Übereinstimmung zwischen Impfstoff und zirkulierenden Grippeviren nicht sehr hoch, weil sich die über 200 verschiedenen Virentypen jedes Jahr verändern und der Impfschutz niemals alle Viren inklusive deren Mutationen abdecken kann. Und zum anderen greift der Impfschutz nicht in allen Fällen, wobei vor allem ältere Menschen oftmals weniger gut auf eine Impfung ansprechen. Und obendrein vergessen viele Patienten, dass der Grippeschutz nur für ein Jahr hält und daher jedes Jahr mit dem aktuellen Impfstoff der Saison aufgefrischt werden muss. Aus diesen Gründen bietet eine Impfung leider keinen 100-prozentigen Grippeschutz.

Aber auch wenn es trotz Impfung zu einer Grippeerkrankung kommen kann, sind die Krankheitsverläufe in der Regel milder. Und weil vor allem ältere und chronisch kranke Menschen ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe und gefährliche Komplikationen tragen, richtet sich die offizielle Impfempfehlung an folgende Risikogruppen: über 60-Jährige, Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, medizinisches Personal und Schwangere. Die beste Zeit für eine Impfung ist dabei der Oktober und November. Weil der Impfschutz erst nach etwa zwei Wochen aufgebaut ist, haben Sie noch genügend Zeit bis zum Beginn der Grippesaison. Diese startet typischerweise zum Anfang eines jeden Jahres, meist im Januar, und kann über drei bis vier Monate hinweg, bis in den April hinein wüten.

Warum Erkältungen und die Grippewelle aber ausgerechnet im Winter regelmäßig über das Land hinwegfegen, ist bis heute noch nicht wissenschaftlich geklärt. Eine mögliche Erklärung: Wir halten uns im Winter fast ausschließlich in geschlossenen Räumen, dicht beieinander auf. Also senken Sie Ihr Ansteckungsrisiko ganz praktisch durch regelmäßiges Lüften, gründliches Händewaschen und genügend Abstand zu erkrankten Mitmenschen.

 

Mehr Infos auf dem Weg zu Ihrer besten Medizin finden Sie unter: www.fragensiedoktorjohannes.de


 

Weblinks
Die Websites von Dr. Johannes Wimmer und Prof. Dr. Robin Haring
„Fragen Sie Dr. Johannes auf den Seiten der Ullstein Buchverlage
Dr. Johannes auf Facebook und Twitter

Prof. Dr. habil. Robin Haring

Prof. Dr. habil. Robin Haring

Prof. Dr. habil. Robin Haring ist mit 32 Jahren einer der jüngsten Professoren Deutschlands. Der habilitierte Demograph und Epidemiologe lehrt an der Europäischen Fachhochschule in Rostock und forscht aktiv zu den Themen Männergesundheit, demographischer Wandel und gesundes Altern.

Foto: © Ronald Frommann

Dr. Johannes Wimmer

Dr. Johannes Wimmer

Dr. Johannes Wimmer ist Deutschlands erster Arzt mit einem Videoblog. Als Dr. Johannes klärt er regelmäßig zu allen Themen rund um Gesundheit auf und ist als Experte in Print und TV gefragt. Er lebt mit seiner Frau, den beiden Töchtern und zwei Dackeln in Hamburg.

Foto: © Olaf Ballnus

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