The Sound of Bavaria, part V: München, Munich, Monaco

…oder: Der ewige Sommer in mir

Der Sommer ist fast vorüber und Harry Kämmerer berichtet von seinen Ferienwochen, die er im heimischen München verbracht hat. Und während er dort entspannte, blieb sogar noch Zeit für eine literarische Ode an Bayerns Monaco.

von Harry Kämmerer

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Die richtige ist in den Bergen, die wichtige in der Au.

Jetzt hab ich den August versandelt. In der Stadt. Meine Frau hat geschimpft. Planen und Buchen ist ja nicht so meins. Aber irgendwie war’s dann auch okay daheim. Ganz gechillt. Die Kinder durften ins Bett und aus dem Bett, wann sie wollten, Papa kam nicht erst nach Anbruch der Dunkelheit von der Arbeit nach Hause. Und die Stadt, die war ziemlich cool. So von der Art Riesenfreibad. Isar gesäumt von Badelustigen mit und ohne Textil, am Kulturstrand jeden Abend kostenlos Bands. Oder im Theatron im Olympiapark.

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Triska im Theatron– coole Typen, tolle Musik, Lightshow auch super. Was will ich mehr?

Die Biergärten hab ich gemieden. Wozu auch, wenn sich die Riesenbadeanstalt abends in einen Riesenbiergarten wandelt. Und dann sitzt du am Wasser und machst dir Gedanken. So über alles. Aber auch über das, was du siehst, hörst, riechst. Hätte ich eine Gitarre und könnte sie auch noch spielen, dann würde ich einen Song über die Stadt im Sommer machen. Vielleicht so was wie der Willi Michl mit Isarflimmern. Klar, ein Kultsong, aber als ich ihn das letzte Mal auf einem Festival gesehen habe, den alten Isarindianer, und er die Bühne erklomm, haben die Eingeweihten im Publikum gerufen: „Gebt’s eam a Limit! Gebt’s eam a Limit!“ An diesem Abend dauerte der Song eh nur eine gute halbe Stunde. Ist halt ein Mantra. Die Isar als magischer Fluss. Das Qi von München.

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Hochbetrieb. Aber noch muss man morgens nix mit dem Handtuch besetzen.

Einen Song, in dem die Isar vorkommt, den würde ich auch gern hinkriegen. Vielleicht nicht nur mit Isar, auch sonst ein bisschen Summer in the City. Jaja, ich weiß schon, der ist ja bald komplett vorbei, aber die Erinnerung an was Schönes ist ja nicht selten fast genauso schön, wie wenn es dann eben mal nicht so schön ist. Reserve für die kalten, harten Zeiten.

Ich bin ja so der Typ für den alliterratischen Stabreim, also ich steh vor allem auf die implosiven Sachen. Und Stabreim, weil ich immer von einem Zauberstab träum, so wie das Ding, das der Johann Lafer immer empfiehlt. Einfach einen Haufen Eindrücke, Gedanken, Emotionen in den Rührbecher und Vollgas mit dem Zauberstab pürieren. Und am Ende ist es wie beim Lafer: viel Schaum – aber ein Gedicht!

 

Ich lenke meine Schritte / durch Münchens betonierte Mitte
30 Grad im Schatten / Gummi klebt auf Gehsteigplatten
Touri-Massen, viel zu viel / Japaner vor dem Glockenspiel
Ochsensemmel, Viktualienmarkt! / Schnell a Bier! Sonst Herzinfarkt!
Schau: Asamkirche, Alter Peter! Spatzerl, / magst a Schubeck-Magentratzerl?
Hofbräuhaus und Blasmusik / in meinen Ohren klingt’s wie Krieg
schnell suche ich das Weite / wechsle auf die andre Isarseite

München, Munich, Monaco / Gemütlichkeit ist so und so
München, Munich, Monaco / manchmal wär ich gerne anderswo

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Unten steht’s sich, oben dreht’s sich. Oder der Schlager: San-daaa-le, oh oh oh…

Wasser grün und Himmel blau / fast ausgestorben ist die Au
Karl Valentin verlebte seine Kindheit hier / noch immer braut Paulaner Bier
Der Mühlbach duftet nach Fäkalien / ach, ich denke an Italien
Au wie Venedig, enge Gassen / die nur wenig Licht einlassen
Ich träum von Gondeln auf der Isar / groß und schwarz und auch nicht mieser
singen Bayern Schnulzenlieder / und ewig hallt das Echo wider:

München, Munich, Monaco / o sole mio, sowieso!
München, Munich, Monaco / wenn nicht hier, dann sag mir, wo?

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Zwei Perlen von der Au – Prost, Karl!

Ich betret‘ die Isarquelle / hol mir Treibstoff auf die Schnelle
Setz mich an den Isarstand / Zeit wird Wachs in meiner Hand
Jungs schleppen Kisten mit dem Hellen / Mädels reiten Bretter durch die Wellen
Die einen grillen was im Isarkies / andre brutzeln selber fies
Leberkäs – das ist der Isar-Teint / wenn so krass die Sonne scheint
Und ich sitz da und trink mein Bier / erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier
Sinniere, was die Isar rauscht / ich bin der, der schaut und lauscht

München, Munich, Monaco / wünsch mich nicht nach anderswo
München, Munich, Monaco / o sole mio, sowieso!

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Isar – die Wilde: Rauschen hat nicht zwingend was mit Alkohol zu tun.
Lesen Sie hier Teil 4 des „Sound of Bavaria“


 

Harry Kämmerer

Harry Kämmerer

Harry Kämmerer, geboren 1967, aufgewachsen in Passau, lebt mit seiner Familie in München. Verlagsredakteur mit Herz für Musik, Literatur und Kabarett. Verfasser einer Dissertation zum Thema „Satire im 18. Jahrhundert“ und der kultigen Krimis IsartodDie Schöne MünchnerinHeiligenblut und Pressing.

Foto: © Christian Weiß

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