Rock’n’BWL: Die bösen Buben von der Bank

Öffentliche Skandale, interne Querelen, Gerichtsprozesse – bislang kannten wir derlei Schlagzeilen von Rockern und anderen bösen Buben. Doch mittlerweile herrscht verkehrte Welt: Die einst so seriösen Banker haben, was Skandale und Exzesse angeht, den Musikern und Künstlern längst den Rang abgelaufen.

eine Glosse von Tobias Mann

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Was ist das für eine verkehrte Welt, in der Rock’n’Roller die Kernkompetenz für Ausschweifungen aller Art an Banker und Versicherungsvertreter abgegeben haben? Wer früher vollgekokst einen Fernseher aus dem Hotelzimmerfenster geworfen hätte, macht heute Bilanzfälschungen und Insidergeschäfte. Es gab in den letzten Jahren mehr Skandalmeldungen über Diplom-Betriebswirte und Voll-Juristen als über volle Musiker und abgefuckte Künstler. Ozzy Osborne und Keith Richards sind trocken und monogam, während sich Mitarbeiter und Kunden von Finanzdienstleistern auf Lustreisen nun ja… also – lassen Sie mich es mit einer blumigen Metapher umschreiben – den Schimmel von der Palme wedeln lassen. „Incentive-Trip“ heißt das dann. Klar, und Bestechung nennen wir ab jetzt einfach nur noch „monetäre Entscheidungsbeschleunigung“. Klingt doch viel netter, oder?

Das Problem ist doch Folgendes: Früher gingen die Braven zur Bank und die bösen Buben auf die Bühne. Heute ist es umgekehrt. Davon kann so manche Deutsche Bank ein Liedchen singen. Und so gibt es mittlerweile Arbeitsverträge, nach denen die Rockstars der Banken ihre Kohle auch im Falle von Untreue behalten dürfen – so etwas hat ja noch nicht mal Paul McCartney geschafft.

Trotzdem werden in der Öffentlichkeit immer noch die Tätowierten im schwarzen Iron-Maiden-T-Shirt argwöhnisch beäugt, während man die nassgekämmten Anzugträger bewundernd anhimmelt. James Hetfield, der Sänger von Metallica, hat mal gesagt: „Wäre ich nicht auf der Bühne gelandet, ich säße im Knast.“ Wer weiß, was für wunderbare Musik uns beschieden gewesen wäre, wenn alle Finanzjongleure und Investmentbanker statt abenteuerlicher Finanzprodukte geile Gitarrenriffs erfunden hätten. Ein rockiger Song ist dann doch nachhaltiger als – sagen wir mal – Umsatzsteuerbetrug, oder? Vielleicht wäre uns so die Finanzkrise erspart geblieben, und Josef Ackermann wäre heute ein zweiter Jimi Hendrix: „Hey Joe, where are you going, with that Prämie in your Hand?“

Exzesse sind in Kunst und Kultur einfach besser aufgehoben, als in Politik und Wirtschaft. Warum? Weil all die überpotenten Männer einfach keine „Satisfaction“ bekommen, auf der Suche nach dem „Stairway to Heaven“. Und darum befinden wir uns mittlerweile alle auf dem „Highway to hell“.


 

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Tobias Mann

Tobias Mann

Tobias Mann, Jahrgang 1976, ist seit 2005 auf den Bühnen Deutschlands unterwegs und bekannt für seine humoristisch-musikalischen Auftritte mit Klavier und Gitarre. Dabei rappt er den „Faust“, betrauert einen Frosch oder begräbt die FDP. 2008 wurde er u.a. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet, außerdem moderierte er im WDR die TV-Sendungen „Fun(k)haus“ und „Mann an Bord“. Er lebt mit seiner Familie in Mainz.

Foto: © Tobias Mann

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