Do’s & Don’t’s: Jacinta Nandis Kween-Knigge

Die Queen kommt! Diese Woche ist die britische Monarchin zu Gast in Deutschland und die hiesigen Royal-Fans spielen verrückt. Doch Vorsicht: Es gibt Dinge, die sollte man im Umgang mit der Königin besser beachten. Die gebürtige Engländerin Jacinta Nandi hat eine Liste der wichtigsten Do’s & Don’t’s für den royalen Besuch zusammengestellt.

von Jacinta Nandi

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Jeder Engländer, der mehr als zwei Monate in der deutschen Hauptstadt verbringt, merkt sofort: Die Berliner haben die Manieren eines Rudels verwaister Wölfe. Na ja, ehrlich gesagt haben die Berliner schlechtere Manieren als ein Rudel verwaister Wölfe. Es gibt sogar Waisenwolfbabys, die immer weinen müssen, wenn sie mit der BVG fahren, weil die BVG-Mitarbeiter so unfreundlich und grob sind. „DER MANN WAR GEMEIN ZU MIR UND ÜBERHAUPT NICHT HÖFLICH!“, heulen sie. Und jetzt kommt die höflichste Frau der Welt an den unhöflichsten Ort im ganzen Weltall.
Aber liebe Berliner, liebe Berlinerinnen, macht euch keine Sorgen, dass ihr euch durch euer unraffiniertes Verhalten in Verlegenheit bringt: Jacinta Nandi hat die wichtigsten Tipps für den Umgang mit Großbritanniens Lieblings-bedingungsloses-Grundeinkommen-Empfängerin für euch gesammelt.

 

DER KWEEN KNIGGE:

 

Wie soll man die Queen ansprechen, falls man sie auf der Straße trifft oder sogar in der U-Bahn?

DO: Nenne sie „Your Majesty“, she loves that shit.

DON‘T: Nenne sie nicht Queenie, Brenda, Lizzy or Bet. Ist doof. Betty auch nicht. Wart ihr zusammen im Kindergarten oder was? „Your Royal Highness“ geht auch nicht, sie ist nicht nur hoch, sie ist majestätisch. Aber leider haben mich Palace-Insider darüber informiert, dass Maj angeblich auch zu informell ist. Schade ne. Man soll übrigens auch vermeiden, sie „Madame“ zu nennen, so wie Franz Josef Wagner in seiner Bild-Kolumne neulich, denn, wie jeder britische Etikette-Kenner weiß, ist Madame mit einem E eigentlich eine Puff-Mutter und okay, die Queen von England trägt manchmal genau so viel Schmuck wie ein Zuhälter, aber das ist nur Zufall.

 

Worüber soll man mit der Queen sprechen, falls es zum Small Talk kommt?

DO: Die Berliner sind so kacke beim small-talken, das hier kann nur schief gehen. Mein Ratschlag ist: Bleibt bei Corgis, Leute. Corgis gehen immer.

DON‘T: Oh. My. God. Where to start? Es gibt so viel, was man nicht sagen darf. Gratuliere ihr nicht dazu, wie gut sie den Mord von Lady Diana hingekriegt hat. Kolonialismus soll man auch nicht erwähnen, denn die Frau darf sich nicht dafür entschuldigen. Wenn sie damit anfängt, hört sie nie wieder auf. Man soll sie auch angeblich nicht fragen, ob es stimmt, dass Prince Charles einem Butler einen geblasen hat in den späten 90ern. Seine Tampon-Konversation ist auch kein geeignetes Small-Talk-Thema, genauso wie seine verzweifelten und eigentlich illegalen Versuche, in die britische Politik einzugreifen. Vielleicht ist es am besten, Prince Charles überhaupt nicht zu erwähnen.

 

Darf man die Queen anfassen – nicht am Po oder so, nur am Ellenbogen, zum Beispiel?

DO: Warte, bis sie dir die Hand für einen royal handshake anbietet.

DON’T 1: Werde nicht zu begeistert während des Schüttelns. Rufe auch nicht: „ICH FASSE GERADE DIE QUEEN AN, GEILO!“

DON’T 2: No, no, no: Fass ihr nicht an den Ellenbogen, nicht an den Rücken, nicht an die Schulter. Deutsche Leute fragen mich oft, warum man die Queen nicht anfassen sollte. Man könnte denken, es sei deswegen, weil eine Person, die so verrückt ist, zu glauben, dass Gott sie auserwählt hat und die meint, wegen ihrer Blutlinie Macht über ein ganzes Volk und die halbe Welt ausüben zu müssen, wahrscheinlich auch so wahnsinnig ist, zu glauben, dass Fingerabdrücke von unroyalen Menschen bzw. Untertanen so eklig und giftig sind, dass sie sofort sterben würde, wenn sie nur einmal in Berührung mit den Massen kommen würde. Könnte man denken, ist aber nicht so. Die Queen ist, und das weiß jeder Engländer, wie alle anderen Menschen ihres Alters in unserem Land auch, höchstwahrscheinlich von dem perversen Fernsehmoderator Jimmy Savile angefasst worden und leidet so sehr unter diesem Trauma, dass jede körperliche Berührung in ihr eine heftige Reaktion triggern könnte. Also, Berliner: FINGER WEG VON UNSERER QUEEN. Danke schön.

 

ICH HABE NIX ANZUZIEHEN! Was soll man tragen, wenn man die Queen trifft? Falls man zur Gartenparty eingeladen wird. Falls.

Das hier ist ein Etikettenratgeber und kein Fashion-Guide. Die gute Nachricht ist: Der Queen ist es egal, was die Massen anziehen. Aber ihr solltet eure Schultern bedecken, Leute! Die Queen hasst Schultern. Und bei der königlichen Hochzeit wurde ein junger Mann auf der Straße dafür verhaftet, dass er ein Sex-Pistols-T-Shirt anhatte. Also vielleicht lieber kein Sex-Pistols-T-Shirt anziehen.

Ich hoffe, dass diese königlichen Umgangs-Tipps für ein bisschen Klarheit und Sicherheit bei den Berlinern sorgen werden.


Weblinks
„Nichts gegen blasen“ auf den Seiten der Ullstein Buchverlage
Jacinta Nandi bei Twitter

Jacinta Nandi

Jacinta Nandi

Jacinta Nandi wurde 1980 in Ost-London geboren und kam mit zwanzig nach Berlin. Sie schreibt für die taz die Kolumne „Die gute Ausländerin“ und den Blog „Riotmama“ sowie als Amok-Mama einen Blog für das englischsprachige Stadtmagazin Exberliner. Jacinta Nandi ist Mitglied der Lesebühne Rakete 2000. Ihr Buch „Nichts gegen blasen“ ist im April 2015 bei Ullstein extra erschienen.

Foto: © privat

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